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Aktuell zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/thq.2021.2.151–174
Hiroki Matsuzawa
Der Begriff des Nichts in der Ethik Meister Eckharts
1. Einleitung

Gemäß der traditionellen Einteilung der Philosophie in Gotteslehre, Naturphilosophie und Ethik entwickelt Meister Eckhart (ca. 1260–1328) seine Ontologie des „esse absolute“, des „esse naturale“ und des „esse morale“. Es ist festzustellen, dass sich seine Ontologie unabhängig vom Begriff des Nichts nicht verstehen lässt. Was das Sein Gottes als „esse absolute“ betrifft, so wird die These „esse est deus“ aus dem Prologus generalis in opus tripartitum in der deutschen Predigt 83 mithilfe des Begriffs des Nichts folgendermaßen umformuliert: „Gott ist ein Sein – es ist nicht wahr: Er ist ein überschwebendes Sein und eine überseiende Nichtheit.“ Ebenso ist der Begriff des Nichts für das Sein der Kreatur als „esse naturale“ von Bedeutung: „Alle Kreaturen sind ein reines Nichts.“ Beim Sein des Menschen als „esse morale“, das im Zusammenhang mit dem Motiv der „Gottesgeburt in der Seele“ zu verstehen ist, spielt der Begriff des Nichts ebenfalls eine große Rolle: „Denn unser ganzes wesenhaftes Sein liegt in nichts anderem begründet als in einem Nichts-Werden.“

Die Problematik, dass das Sein Gottes und das der Kreatur nicht nur durch den Begriff des Seins ausgesagt wird, sondern auch durch den Begriff des Nichts, das im Allgemeinen als der gegensätzliche Begriff zum Sein verstanden wird, wird in der bisherigen Forschung öfter behandelt. Bezüglich des Seins Gottes wurde die Differenz zwischen dem Sein und dem Nichts meistens im Zusammenhang mit der Intellekttheorie der Quaestiones Parisienses diskutiert, und zwar so, dass das Nichts Gottes mit dem Intellekt identifiziert wurde: „Gott, der Schöpfer und nicht erschaffbar ist, ist Intellekt und Erkennen und nicht Seiendes oder Sein.“ Hinsichtlich des Seins der Kreatur wurde dieselbe Differenz vor allem in Bezug auf die Analogielehre Eckharts erörtert, wobei das Nichts der Kreatur als Ausdruck der Unzugehörigkeit des Seins zur Kreatur verstanden wurde: „Was kein Sein hat, das ist nichts. Alle Kreaturen haben kein Sein, denn ihr Sein hängt an der Gegenwart Gottes.“ Im Gegensatz zu den Forschungen über das Nichts Gottes und der Kreatur wurde die Frage der Ethik, wie Eckhart das Nichts des Menschen als des moralischen Seins versteht, bisher nur ungenügend berücksichtigt und behandelt. In diesem Aufsatz möchte ich mich mit dem Begriff des Nichts in der Ethik Eckharts beschäftigen und seine semantische Struktur klären, die sich mit den Begriffen „negatio“, „nudum“ und „non quare“ wiedergeben lässt.

2. Das Nichts als die Verneinung

Das Seiende schließt, insofern es „hoc aut hoc“ ist, die „Verneinung (negatio)“ in sich selbst ein, dass dieser Mensch nicht jener Mensch ist. In Expositio libri Sapientiae drückt Eckhart diese Verneinung, die „ens hoc aut hoc“ in sich selbst enthält, durch den Begriff des Nichts aus.

Eckhart zufolge stellt die Verneinung aus ontologischer Sicht die Seinsweise der Kreatur dar, hingegen die „Verneinung der Verneinung (negatio negationis)“, die „reine Bejahung und Fülle des Seins“ besagt, die Seinsweise Gottes. Bezüglich der Seinsweise sind Gott und die Kreatur völlig entgegengesetzt, weil sich das Sein in Gott einerseits in „unum“ und „indistinctio“ befindet, das Sein in der Kreatur andererseits in „multa“ und „distinctio“. Der Begriff des Nichts kennzeichnet also die Seinsweise der Kreatur, die durch Vielheit und Unterschiedenheit charakterisiert wird.

Aus ethischer Sicht ist es notwendig, dass sich der Mensch von dem Nichts, das die Seinsweise der Kreatur bezeichnet, entfernt und in die Seinweise Gottes eintritt, um mit Gott vereint zu werden. Wie sich Gott durch seine Ununterschiedenheit von allen Kreaturen unterscheidet und in sich ununterschieden bleibt, so „muss jeder, der mit Gott vereint werden und ihn finden will, einer sein, durch Selbstverleugnung von allem geschieden und in sich ungeschieden“. Der Mensch als „ens hoc aut hoc“ muss durch die Selbstverleugnung die Seinsweise der Kreatur aufgeben, damit er als „esse morale“ mit Gott vereint wird. Im folgenden Abschnitt wird die Selbstverleugung des Menschen bezüglich der Persönlichkeit und der Seelenkräfte thematisiert, wobei der Begriff des Nichts als der Verneinung eine große Rolle spielt. [...]


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