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Aktuell zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Editorial DOI: 10.14623/thq.2021.2.117–119
Johannes Brachtendorf
Meister Eckhart ist eine herausragende Gestalt der mittelalterlichen Philosophie und Theologie. Als „Lesemeister“ verfasste er lateinische Abhandlungen in der scholastischen Diktion seiner Zeit, und als „Lebemeister“ schrieb er deutsche Predigten und Traktate, die den Hörer unmittelbar ansprechen und spirituell aufbauen. Erstere enthalten Eckharts Metaphysik, letztere seine Mystik. Das vorliegende Heft soll zeigen, dass und wie beides zusammengehört.

Ein weiterer Fokus des Heftes liegt auf der Bedeutung Meister Eckharts für das christlich-buddhistische Gespräch. Sein Denken fand im 20. Jh. in Japan große Beachtung und wird dort weiterhin stark rezipiert. Der erste Impuls dazu ging aus von der Beobachtung, dass Eckharts Mystik in vielen Hinsichten mit der Weltanschauung des Buddhismus, insbesondere des Zen, konvergiert. Die Denker der sogenannten Kyoto-Schule, die an der Formierung einer modernen akademischen Philosophie in Japan maßgeblich beteiligt waren, haben sich über drei Generationen hinweg von einem buddhistischen Standpunkt aus mit Meister Eckhart auseinandergesetzt. Über das Interesse in westlichen Ländern am buddhistischen Denken, wie es in der Mitte des 20. Jhs. verstärkt einsetzte, fand sogar ein erheblicher Rückfluss Eckhartschen Denkens aus dem Osten in den Westen statt.

Eine Reihe von Thesen Meister Eckharts wurde im Avignon des 14. Jhs. als im Widerspruch zur christlichen Lehre stehend verurteilt. Johannes Brachtendorf geht von der Beobachtung aus, dass es im Grunde dieselben Thesen sind, die im Kyoto des 20. Jhs. als mit dem Buddhismus übereinstimmend begrüßt wurden. Eckharts Relativierung des Schöpfer-Theismus zugunsten einer All-Einheitslehre war zugleich ein zentraler Kritikpunkt in Avignon und ein wichtiges Motiv für die Akzeptanz in Japan. Der Beitrag stellt die Rezeption Eckharts bei einigen wichtigen Philosophen der Kyoto-Schule dar. Diese Rezeption ist anfänglich von Begeisterung geprägt, führt schließlich aber zu der Feststellung, dass Eckharts All-Einheitslehre sich von einer theistischen Gottesvorstellung nicht völlig zu lösen vermag und dadurch eher der westlichen Seinsphilosophie als dem buddhistischen Denken der Leere angehört.

Doch auch über die Kyoto-Schule hinaus existiert in Japan ein lebhaftes Interesse an Forschungen zu Meister Eckhart. Das vorliegende Heft liefert dazu einen Einblick, indem es drei Beiträge von japanischen Eckhart-Forschern präsentiert. Sie behandeln Eckharts Idee der Einheit von Gott und Mensch unter verschiedenen Aspekten. Hiroki Matsuzawa diskutiert die Bedeutung des Nichts in der Ethik Eckharts. Während metaphysische Aussagen wie „Alle Geschöpfe sind ein Nichts“, oder „Gott ist Nichts“ schon öfter erörtert wurden, beleuchtet dieser Beitrag die Rolle des Nichts im Prozess des Aufstiegs der Seele. Dieser Aufstieg beginnt mit der Verneinung der Persönlichkeit und reicht über die Zurücklassung aller Unterscheidungen im Denken und Wollen bis zum Versinken ins Nichts. Hier gewinnt das Nichts aber über die Negativität hinaus den positiven Sinn der Entblößtheit, die in Gestalt der Demut die Aufnahmefähigkeit für Gottes Gnade bedeutet, und in Gestalt der Abgeschiedenheit sogar noch höher reicht, nämlich bis zur Vereinigung der Seele in ihrer Ungeschaffenheit mit Gott. Der göttliche Mensch lebt in der Freiheit des absoluten Nichts.

Teruhisa Tajima stellt zunächst Eckharts Lehre von den Transzendentalien (Seiendes, Eines, Wahres, Gutes) dar und erörtert sodann sein hypostasiertes Verständnis der Tugenden, die für Eckhart, anders als für Thomas von Aquin, nicht bloß menschliche Haltungen sind, sondern den Transzendentalien gleichgestellt werden. In Verbindung mit Eckharts Imago-Lehre ergibt sich, dass die Gerechtigkeit ein Urbild ist, das sich im Gerechten ein univokes Abbild erzeugt, so wie es in der göttlichen Trinität zwischen Vater und Sohn der Fall ist. Der Mensch kann demnach durch Abgeschiedenheit zum Gerechten werden, der wie der ewige Sohn aus der Gerechtigkeit geboren ist. Dadurch hat er hat kein bloß geschöpfliches, analoges Sein mehr, sondern er gewinnt ein mit Gott univokes Sein. Weil aber das Niedere zum Höheren gemäß Eckharts Metaphysik nichts beiträgt, ist die Verwandlung des geschaffenen Menschen in das geborene Bild Gottes kein Verdienst, sondern reine Gnade.

Yoshihiko Abe vergleicht Meister Eckhart mit dem von ihm am häufigsten zitierten Autor, nämlich Augustinus. Thematisch geht es um die Bedeutung der Inkarnation und besonders des eucharistischen Sakramentes für die Verwandlung des menschlichen Ich in den ewigen Sohn Gottes. Durch eine Gegenüberstellung von Augustins „Confessiones“ mit Eckharts frühen „Reden der Unterweisung“ sowie seiner Osterpredigt von 1294 zeigt Abe, wie Eckhart das von Augustinus vorgegebene Motiv der Transformation des Menschen durch das Essen der göttlichen Speise aufnimmt und es zugleich zuspitzt zu der Vorstellung, dass „Ich“ und „Du“ bzw. göttliches und menschliches Ich gegeneinander ausgetauscht und durcheinander ersetzt werden.

Aus der Sicht der christlichen Theologie befasst sich Dietmar Mieth mit Eckharts Verständnis der Schöpfung. Dieses Thema stand im Zentrum des Häresieverfahrens, in dem Eckhart vorgeworfen wurde, den Denkrahmen der christlichen Schöpfungslehre verlassen zu haben. Der Beitrag zeigt, wie Eckhart das biblische Narrativ, das er als bloß bildlich und metaphorisch versteht, auf eine rationale Schöpfungsmetaphysik reduziert. Diese ist aber von solcher Art, dass sie das Heilshandeln Gottes in Schöpfung, Menschwerdung und Vollendung nicht auf verschiedene Akte verteilt, sondern als Einheit denkt. Eckharts Sichtweise beinhaltet nicht bloß eine Negation der Kreatur, sondern auch umgekehrt eine Hinwendung zur Natur. Daraus ergeben sich ökologische und spirituelle Perspektiven für die Erfahrung der Schöpfung in unserer Zeit.

Die hier abgedruckten Beiträge (außer demjenigen von Dietmar Mieth) sind aus einem Symposion hervorgegangen, das im November 2018 an der Doshisha Universität in Kyoto (Japan) stattfand. Ich danke dem „Center for Interdisciplinary Study of Monotheistic Religions“ der Doshisha Universität für seine Unterstützung bei der Durchführung dieses Symposions.

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