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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/thq.2017.2.133-154
Aurica Nutt
Das „Leib Christi“-Verständnis Hans Urs von Balthasars
Eine geschlechtersensible Analyse seiner Christologie und Ekklesiologie
Zusammenfassung
In der Theologie Hans Urs von Balthasars spielen sowohl der Leib als auch seine geschlechtsspezifischen Konnotationen eine bedeutende Rolle, wie die kritische Analyse von Balthasars Leib Christi-Begriffs und der damit verbundenen Christologie und Ekklesiologie zeigt. Im Erlösungsdrama sind die Rollen der Akteurinnen und Akteure mit „weiblichen“ und „männlichen“ Verhaltensweisen verbunden, die zwar auf komplexere Weise verteilt sind, als der erste Blick vermuten lässt, letztlich aber doch einer festgefügten und stereotypen Ordnung folgen.

Abstract
In Hans Urs von Balthasar’s theology, both the body and its gender-specific connotations play a major role, as the critical analysis of Balthasar‘s notion of the Body of Christ and of the associated Christology and Ecclesiology shows. In the drama of redemption, the roles of the actors are associated with „female“ and „male“ behaviours. Although they are distributed in a more complex way than it seems at first glance, they nevertheless follow a fixed and stereotypical order in the end.

Schlüsselwörter – Keywords
Hans Urs von Balthasar; Christologie; Ekklesiologie; Gender Urs von Balthasar; Christology; Ecclesiology; Gender

Hans Urs von Balthasar gilt als einer der bedeutendsten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts, denn sein einflussreiches, umfangreiches Werk stellt eine sprachgewaltige und bezüglich der Tradition kenntnisreiche Reformulierung des christlichen Erlösungsdramas dar. Dabei weist seine Theologie klare Positionen in Bezug auf Geschlecht und Leiblichkeit auf, deren Analyse zu verblüffenden Ergebnissen führt. Zum einen wird durch die Frage nach dem Leib Christi deutlich, dass Balthasar eine eigene Leibtheologie entworfen hat, deren Potenzial für eine christliche Leibtheologie, aber auch deren deutliche Grenzen es aufzuzeigen gilt. So wird dem menschlichen Leib eine herausragende Rolle im Erlösungsdrama zugesprochen, die jedoch kritisch zu analysieren ist.1 Denn dieser Leibtheologie Balthasars ist eine Komplementarität der Geschlechter zutiefst inhärent, die zahlreiche Probleme aufweist, weil Balthasar die Leib Christi-Metapher durch die starke Betonung der Unterschiede und Asymmetrien zwischen „weiblichem“ und „männlichem“ Verhalten in hohem Maße geschlechtertheologisch konnotiert.2

Im Folgenden werden die Spezifika der Leib- und Geschlechtertheologie Balthasars zunächst anhand der Analyse seiner Thesen zum Leib Christi bzw. seiner kenotischen Sendungschristologie und anschließend im Blick auf seine Leib Christi- bzw. Braut Christi-Ekklesiologie – vor allem in der Interpretation der Bedeutung Marias – herausgearbeitet und abschließend auf ihre Relevanz für eine von Balthasar beeinflusste katholische Ämtertheologie befragt.3



1 | Der Ausdruck „Leibtheologie“ wurde bewusst gewählt, da bei Balthasar „der Leib als Medium der Kommunikation konstitutiv“ für die Freiheit des Menschen ist, so etwa Jan-Heiner Tück, Der Abgrund der Freiheit. Zum theodramatischen Konflikt zwischen endlicher und unendlicher Freiheit, in: Magnus Striet/Ders., Die Kunst Gottes verstehen. Hans Urs von Balthasars theologische Provokationen, Freiburg i. Br. 2005, 82-116, 91.
Zugleich setzt der Begriff „Leibtheologie“ die phänomenologische Unterscheidung von „Leib“ und „Körper“ voraus, „weil dem Leib eine Doppelstruktur eignet: Auf der einen Seite ist er Ding unter Dingen und damit Objekt der Wahrnehmung, auf der anderen Seite aber derjenige, der Dinge berührt und sieht und somit selbst kein Ding. Als Ding unter Dingen ist der Leib objektivierter, verdinglichter Körper. […] Aber der Leib ist mehr als nur Körper, er ist vielmehr vom Dasein und seinem Bewusstsein untrennbar.“ Saskia Wendel, Subjekt statt Substanz. Entwurf einer gender-sensiblen Anthropologie, in: Hilge Landweer u. a. (Hg.), Philosophie und die Potenziale der Gender Studies. Peripherie und Zentrum im Feld der Theorie, Bielefeld 2012, 317-335, 326. Vgl. hierzu auch Emmanuel Alloa u. a. (Hg.), Leiblichkeit. Geschichte und Aktualität eines Konzepts, Tübingen 2012

2 | Gonzalez würdigt, dass Geschlecht in Balthasars Theologie eine zentrale Rolle spielt: „gender permeates every aspect of his theology. Unlike many of his contemporary Western European counterparts, gender is a central analytic category in Balthasar’s work.“ Michelle A. Gonzalez, Hans Urs von Balthasar and Contemporary Feminist Theology, in: Theological Studies 65 (2004), 566-595. Außerdem versuche Balthasar Menschen als leibliche Wesen zu verstehen und dies als substantiellen Part in seine Theologie zu integrieren. „While feminists may find problematic what Balthasar writes about gender, he must nonetheless be commended for attempting to understand the human person in light of his or her embodied sexuality. Balthasar constructs gender theologically.“ (Ebd., 569). Auch Löser versteht Balthasars Theologie als „Theologie der Geschlechter“ (vgl. Werner Löser, Kleine Hinführung zu Hans Urs von Balthasar, Freiburg i. Br. 2005, 123

3 | Die Anthropologie Balthasars kann hier nicht angemessen ausführlich diskutiert werden. Vgl. dazu Rudolf Zwank, Geschlechteranthropologie in theologischer Perspektive? Zur Phänomenologie des Geschlechtlichen in Hans Urs von Balthasars „Theodramatik“, Frankfurt a. M. 1996, sowie Silvia Cichon-Brandmeier, Ökonomische und immanente Trinität. Ein Vergleich der Konzeptionen Karl Rahners und Hans Urs von Balthasars, Regensburg 2008 (v. a. Abschnitt II.H: Die Hochzeitlichkeit der Schöpfung, 267-278). In jüngster Zeit findet die kritische Auseinandersetzung mit Balthasars Anthropologie überwiegend im englischsprachigen Raum statt, vgl. neben Gonzalez etwa: Corinne Crammer, One Sex or Two? Balthasar’s Theology of the Sexes, in: Edward T. Oakes/David Moss (Hg.), The Cambridge Companion to Hans Urs von Balthasar, Cambridge 2004, 93-112. Lucy Gardner/David Moss, Something Like Time; Something Like the Sexes – an Essay in Reception, in: dies./Ben Quash/Graham Ward (Hg.), Balthasar at the End of Modernity, Edinburgh 1999, 69-137. Aristotle Papanikalaou, Person, Kenosis and Abuse. Hans Urs von Balthasar and Feminist Theologies in Conversation, in: Modern Theology 19,1 (Januar 2003), 41-65. [...]


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