Theologische Quartalschrift - Startseite
Startseite » Archiv » Ausgabe 3/2023 » Leseprobe 2
archivierte
Ausgabe 3/2023


Titelcover der archivierten Ausgabe 3/2023 - klicken Sie für eine größere Ansicht


Alle Inhalte für Sie

Die aktuelle Ausgabe 4/2023 stellen wir Ihnen komplett im PDF-Format zur Verfügung.

Ausgabe 4/2023
im PDF-Format lesen ...



Jahresverzeichnis 2023


Aktuelles Jahresverzeichnis


Jahresverzeichnis 2023
als PDF PDF.



Wir über uns

Unsere Schwerpunkte und Akzente finden Sie hier.


Die Schriftleitung


stellt sich hier vor.


Suche in Artikeln

Leseprobe 2 DOI: 10.14623/thq.2023.3.266–291
Marco Weis
Anbetung, Dank und Ehre
Devotionsorte im Kirchenraum
Zusammenfassung
Der Beitrag betrachtet zeitgenössische Kirchenraumkonzeptionen, insbesondere unter Berücksichtigung ihrer Eignung für die persönliche Devotion. Aus einem Blick in die Entstehungsgeschichte und die sich entwickelnde Verortung der Devotion im Kirchenraum können heute bauliche Grundparameter für die Konzeption von Devotionsorten abgeleitet werden. Zugleich lassen sich die engen theologischen Beziehungen von Liturgie und Devotion im Licht des Zweiten Vatikanum reflektieren. Neben ihrer Charakterisierung als Ort für die persönliche Frömmigkeit lassen sich Devotionsorte als Erinnerungsorte beschreiben, an denen bestimmter Glaubensinhalte individuell gedacht wird. Am Ende steht eine kurze Betrachtung zweier Beispiele gelungener, zeitgenössischer Kirchenraumkonzeptionen: die Kathedrale Our Lady of the Angels, Los Angeles, und die Pfarrkirche St. Moritz, Augsburg.

Abstract
This article considers current building and design concepts of contemporary churches. A particular focus is placed on spaces for personal devotion. Firstly an overview is given about the history of the development of the places of devotion in church buildings. From this overview basic construction parameters for the conception of devotional spaces can be derived for today. At the same time the tight theological relations between liturgy and devotion can be reflected guided by the documents of Vatican II. Devotional places can simultaneously be described as Places of Remembrance where certain contents of faith are commemorated individually. A short reflection presents two successful examples of contemporary church conceptions that model this approach to design and construction: the Cathedral of Our Lady of the Angels in Los Angeles and the Parochial Church of St. Moritz in Augsburg.

Schlagwörter/ Keywords
Devotion; Devotionsort; persönliches Gebet; Kirchenraumkonzeption; moderner Kirchenbau; Liturgie; Reliquienverehrung; Bildverehrung; Eucharistieverehrung; Sacrosanctum Concilium 13; Pascha-Mysterium; Anamnese; anamnesis; Versammlung; liturgische Versammlung; Erinnerungsort; Jan Assmann; Maurice Halbwachs; Our Lady of the Angels, Los Angeles; St. Moritz, Augsburg
Devotion; places of devotion; personal prayer; church concept; modern church buildings; liturgy; veneration of relics; veneration of icons; veneration of the blessed sacrament; Sacrosanctum Concilium 13; Paschal Mystery; anamnesis; assembly; liturgical assembly; Place of Remembrance; Jan Assmann; Maurice Halbwachs; Our Lady of the Angels, Los Angeles; St. Moritz, Augsburg


1. Hinführung zum Thema

Am Beginn der Betrachtungen werfen wir einen Blick in eines der beiden zur Wahl stehenden Eröffnungsgebete der Feier vom Leiden und Sterben Christi: „Gedenke, Herr, der großen Taten, die dein Erbarmen gewirkt hat“, heißt es dort. Die Aufforderung zu gedenken wird hier – es mag fast paradox wirken – an den Herrn gerichtet, der ja selbst Urheber der zu erinnernden Taten ist. Geht es tatsächlich darum, Gott mahnend erinnern zu müssen, er möge sein einstiges Handeln nicht vergessen? Ich denke, nein. Der verwendete Imperativ drückt viel weniger einen Zweifel daran aus, dass Gott sich seiner Heilstaten immer bewusst ist, als vielmehr die Bitte, dass Gott sich seines Volkes auch weiterhin erbarmend zuwenden möge. Umgekehrt aber geht es bei jeglicher Liturgiefeier darum, dass die Gläubigen feiernd der Taten Gottes gedenken. Indem sie dies tun, erinnern sie sich gemeinsam an heilsgeschichtliche Ereignisse der Vergangenheit, die das Kollektiv der Gläubigen insgesamt sowie zugleich und zuerst jede und jeden einzeln betreffen. Als Reaktion darauf entstand und entsteht bei Gläubigen durch alle Zeiten hindurch offenbar das persönliche Bedürfnis, Gott zu antworten, ihm aufgrund seiner Zuwendung Anbetung, Dank und Ehre zu bezeugen und in diesen Gesinnungen zu beten. Anders ausgedrückt: Zu erkennen, dass Gott im eigenen Leben heilshandelnd wirkt, führt dazu, verschiedene Devotionsformen zu vollziehen. Zugleich bildet die obige Begriffstrias den Titel des Kirchenliedes Anbetung, Dank und Ehre. Vor der letzten Liturgiereform stand es als sogenanntes Glorialied in etlichen Gesangbüchern und fand so seinen Eingang in die katholische Liturgie – zumindest im praktischen Bewusstsein des Volkes, das sich, wo dieses Lied gewählt wurde, so darf angenommen werden, durchaus als Gloria singend empfand. Später stand der Gesang im nachkonziliaren Gotteslob der 1970er-Jahre als Glorialied ebenso in den Messlied- Reihen abgedruckt. Jedoch entspricht der Text nicht dem kanonischen Wortlaut des Gloria, sondern paraphrasiert diesen nur in recht freier Weise. Doch auch in der heutigen Praxis scheint es relativ unerheblich, dass er im aktuellen Gotteslob nicht mehr unter den Messgesängen, sondern nur noch unter der Rubrik Lob, Dank und Anbetung aufgeführt ist – vielfach wird er dennoch an Stelle des Gloria gesungen.

Das Lied steht somit symbolisch für etliche religionspraktische Vollzüge, die zwar eng mit der Liturgie verwandt sind, mitunter in sie übergehen oder sich aus ihr speisen (vgl. Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium 13 [SC]), aber in der Regel dennoch selbst nicht als Liturgie bezeichnet werden. Als solche ist das gottesdienstliche Leben der Kirche zu verstehen, das weltweit einheitlich durch den Papst, oder zumindest den Ortsbischof, verbindlich geregelt ist. Daneben aber gibt es eine Vielzahl individuell oder ebenso gemeinschaftlich gepflegter, freier Gottesdienst- oder Gebetsformen, zu denen traditionell der Kreuzweg, der Rosenkranz, Andachten oder eucharistische Anbetung zu zählen sind. Hinzu kommen neuere Formate wie etwa Taizé-Gebete oder Nightfever-Gottesdienste. Die eben beschriebene praktische Verwendung des Gesangs Anbetung, Dank und Ehre verdeutlicht symbolisch die enge Verwobenheit von Devotion und Liturgie, die, von außen beobachtet, mitunter als eine nicht zu differenzierende Einheit erscheinen. Zunächst also mag es hilfreich sein, über die oben vorgenommene Unterscheidung zwischen Liturgie und Devotion hinaus ein genaueres Verständnis von Letzterer zu gewinnen. Dazu wird ein Blick in die Etymologie und die geschichtliche Verwendung des Terminus Devotion vorgenommen. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

Zurück zur Startseite

Abonnements


Abonnements

Sie haben die Wahl ...

weitere Infos zu unseren Abonnements


Anzeigen


Mit Anzeigen und Inseraten erreichen Sie Ihre Zielgruppe. Anzeige aufgeben


Unsere Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Theologische Quartalschrift
Telefon: +49 (0) 711 44 06-140 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | AGB | Datenschutz | Impressum