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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/thq.2020.3.184–216
Thomas Schärtl
Von der Scholastikrezeption in die Arme der Analytischen Philosophie – ein Kreisgang?
Das Studium der Philosophie im Vollstudium der Theologie
1. Vorgaben und Konstellationen

Die Diversifizierung der theologischen Fächer erwartet zu Recht auch vom Vertreter bzw. der Vertreterin der Philosophie in einer theologischen Fakultät eine über jeden Zweifel erhabene Expertise; gleichzeitig wird die Philosophie aber zunehmend nicht mehr als theologisches Kernfach wahrgenommen, sondern als ‚Zusatzqualifikation‘ – was erklärt, warum sie in einigen Bundesländern für die Curricula des Lehramtstudiums nur eine bescheidene Rolle spielt. Die Erwartungen erhöhen den Druck auf die Philosophiedozierenden, die sich noch erheblich stärker als bisher an den Qualifikationsstandards nicht-theologisch affiliierter Philosophiefakultäten messen lassen müssen, obwohl aus der Sicht der Bildungs- und Studienkongregation sowie der Deutschen Bischofskonferenz für die Berufung ein kanonischer theologischer bzw. philosophischer Abschluss, dazu ein theologisches Vollstudium und das Äquivalent zu einem Jahr pastoraler Praxiserfahrung verlangt wird. Diese eigenwillige Doppelrolle, die sonst von keinem anderen Fach in der Theologie erwartet ist, hat zu zwei interessanten Entwicklungen geführt: Jene philosophischen Ausbildungsstandorte – im deutschen Sprachraum sind es vor allem die von Jesuiten geleiteten Fakultäten und Hochschulen und jene philosophischen Institute, die Kooptierungen mit der Theologie suchen –, die ihre Lehre und ihre Qualifikationswege in einer gewissen Hörweite zur Theologie gestaltet haben, nehmen berufungsertragspolitisch eine Schlüsselrolle ein. Gleichzeitig führt das Sich-Messen an ‚normalen‘ philosophischen Qualifikationsstandards auch zu einer internen Diversifizierung des Faches selbst.

Zudem hat der bzw. die Philosophiedozierende angesichts eines exorbitant hohen Stundenanteils am Vollstudium der Theologie ein Lehrangebot aus den verschiedensten und inzwischen ihrerseits hoch diversifizierten Bereichen der Philosophie zu stemmen, das in herkömmlichen philosophischen Fakultäten oder Instituten nur ein ganzer Pool von Expertinnen und Experten garantieren kann. Das führt, zunächst negativ bilanziert, zu divergierenden Schwerpunktsetzungen innerhalb der theologieimplementierten Philosophie selbst – mit dem Nebeneffekt, dass es nach wie vor schwer ist, dem Fach „Philosophische Grundfragen der Theologie“ eine einheitliche Kontur zu geben.

Auf der Haben-Seite unterstützte diese Entwicklung die fachliche Verfeinerung und Professionalisierung, sodass theologieaffiliierte Philosophinnen und Philosophen einen Vergleich mit ihren ‚profan‘-philosophischen Kolleginnen und Kollegen nicht scheuen müssen. Dieses Eingetauchtsein in aktuelle philosophische Diskurse, die zunehmende nationale wie internationale Vernetzung mit verschiedenen Philosophie-Communities ist schlussendlich auch ein erster, äußerer (aber sicher nicht der einzige) Grund für die schleichende Entfremdung, die zwischen theologieaffilierter Philosophie einerseits und systematischer Theologie andererseits zu beobachten ist. Während Philosophinnen und Philosophen sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass in der systematischen Theologie ein ‚Rosinenpicken‘ in Hinsicht auf die in Dienst genommenen philosophischen Autoritäten und Denksysteme stattfindet, zeigen sich umgekehrt manche Theologinnen und Theologen sehr erstaunt darüber, welchen Themen sich die Fachphilosophie in der Zwischenzeit mit Hingabe und Elan annimmt – Fragestellungen, die doch seit längerer Zeit als ‚erledigt‘ und ‚überholt‘ galten. Ein immer noch und immer wieder Irritationen hervorrufendes Reizthema ist die Relevanz der Rezeption analytischer Philosophie, die faktisch auch im deutschen Sprachraum eine nicht mehr wegzudenkende Rolle in vielen Philosophie-Departments spielt, die aber andererseits von systematischen Theologinnen und Theologen kritisch beäugt, wenn nicht gar beargwöhnt wird. Aber wie würden Erkenntnistheoretiker*innen, die sich an einem Begriff des Wissens und der Skepsiswiderlegung im Gegenüber zu den markanten fundationalistischen Vorgaben Descartes’ abarbeiten, wie würden Metaphysiker*innen, die im Anschluss an Aristoteles um die Konstitutions- und Individuationsprinzipien materieller Gebilde ringen, wie würden Handlungstheoretiker*innen, die nach dem kausalen Einfluss akteursspezifischer Handlungsinitiative und Freiheit suchen, reagieren, wenn man ihnen bedeutete, dass ihr Suchen ‚seit Kant‘ ja schon als fruchtlos ausgewiesen sei und als erledigt zu gelten habe? Jenseits des Atlantiks und des Ärmelkanals wird die Berufung auf Kant (oder Heidegger oder Adorno) in der Philosophie meistens weder nachvollzogen noch als schlagendes Argument akzeptiert. Freilich ist die Rezeption der analytischen Philosophie in der theologieaffiliierten Philosophie durchaus kein flächendeckendes Phänomen; denn die theologienahe Philosophie weist derzeit vier ‚Gilden‘ auf, die sich allerdings untereinander zu verständigen suchen und durchaus auch fruchtbare Koalitionen eingehen können oder sich in ihren Protagonist*innen auch mischen: Eine erste Partei hält an der Vorordnung der Philosophiegeschichte fest, eine andere Partei verortet sich in den kontinentalen und europäischen Traditionen, eine dritte konzentriert sich auf Fragen der Ethik und der politischen Philosophie, eine vierte praktiziert Philosophie im Stile der analytischen Methodik oder rezipiert entsprechende Themen- und Fragestellungen. Das Neben- und Miteinander dieser Stilformen und Schwerpunktsetzungen innerhalb der theologieaffiliierten Philosophie liest sich wie ein kleiner Gegenentwurf zu der schleichenden Entfremdung, die zwischen systematischer Theologie und theologienaher Philosophie stattfindet.

[...]

1.3 Fides et Ratio


Fides et Ratio kann als magisterialer Meilenstein in der Verhältnisbestimmung von Theologie und Philosophie gelten, obwohl vielfach Fragen nach dem zugrunde gelegten (optimistischen) Philosophiebegriff, nach der romantisierenden Perspektive und Verhältnisbestimmung, nach der Warte und den Adressaten gestellt werden müssen. Die Enzyklika charakterisiert die Philosophie als Streben nach Wahrheit, Suche nach dem Sinn des menschlichen Daseins und eindringliches Fragen nach dem letzten Grund aller Dinge (Nr. 3 und 4). In denselben Passagen erkennt die Enzyklika einerseits die Tendenz zur philosophischen Systembildung als wichtiges Kennzeichen an, warnt aber vor abgeschlossenen Systemen und unterstreicht daher den genuinen Wert des (offenen) philosophischen Fragens (Nr. 4). Andererseits erwähnt Fides et Ratio einen Bestand an philosophischen Grundeinsichten, der sich aus der Geistesgeschichte herausgeschält habe

„So ist es möglich, trotz des Wandels der Zeiten und der Fortschritte des Wissens einen Kern philosophischer Erkenntnisse zu erkennen, die in der Geschichte des Denkens ständig präsent sind. Man denke, um nur ein Beispiel zu nennen, an die Prinzipien der Non-Kontradiktion, der Finalität, der Kausalität wie auch an die Auffassung von der Person als freiem und verständigem Subjekt und an ihre Fähigkeit, Gott, die Wahrheit und das Gute zu erkennen; man denke ferner an einige moralische Grundsätze, die allgemein geteilt werden. Diese und andere Themen weisen darauf hin, daß es abgesehen von den einzelnen Denkrichtungen eine Gesamtheit von Erkenntnissen gibt, in der man so etwas wie ein geistiges Erbe der Menschheit erkennen kann; gleichsam als befänden wir uns im Angesicht einer impliziten Philosophie, auf Grund der sich ein jeder bewußt ist, diese Prinzipien, wenngleich in undeutlicher, unreflektierter Form zu besitzen. Diese Erkenntnisse sollten, eben weil sie in irgendeiner Weise von allen geteilt werden, eine Art Bezugspunkt der verschiedenen philosophischen Schulen darstellen.“ (Nr. 4)

Es ist durchaus nicht ganz ohne Bedeutung, hier eine Art Bilanz von (als irreversibel erachteten) philosophischen Grundeinsichten formuliert zu sehen. Wer die veritable Liste der Themen – jenseits eines Grundaxioms der elementaren Aussagenlogik – Revue passieren lässt, wird nüchtern feststellen müssen, dass keiner der Punkte in den zeitgenössischen philosophischen Diskursen wirklich unumstritten ist: Über ein angemessenes Verständnis von Kausalität wird in Auseinandersetzung mit dem Neo-Humeanismus immer noch intensiv diskutiert, die Rede von Finalursachen ist hoch umstritten, Freiheit und unwiderrufliche Subjekthaftigkeit sind angefochtene Topoi, die Erkenntnis des Guten und die ‚natürliche Gotteserkenntnis‘ sind noch dazu provokative Reizthemen, die auch innertheologisch kontrovers diskutiert werden. Aber natürlich gibt es inzwischen ausreichend viele Philosophen und Philosophinnen, die aus ihrer christlichen Grundüberzeugung keinen Hehl machen und/oder die genannten Positionen (durchaus aus rein philosophischen Gründen) verteidigen würden: einen nicht-humeanischen Begriff von Kausalität, die Wiedergewinnung einer teleologischen Naturbetrachtung, einen starken libertarischen Freiheitsbegriff und einen pointierten Subjektsbegriff, einen moralischen Realismus und schlussendlich auch das Unternehmen einer sogenannten natürlichen Theologie. Von einem Bestand von Grundeinsichten und Erkenntnissen zu sprechen, dürfte dennoch gewagt sein; eher handelt es sich um nervöse Zentren der philosophischen Reflexion, die die Eigenart besitzen, die vermeintlich totgesagten antagonistischen Positionen doch wieder und wieder zum Leben zu erwecken.

Fides et Ratio weiß natürlich um die Heterogenität philosophischer Positionen und Strömungen und sieht sich in der Pflicht, vor einem Wahrheitsrelativismus zu warnen (vgl. Nr. 5), genauso wie vor einer verkürzten (rein am Pragmatischen oder Technischen orientierten) Sicht auf die Welt. Unter dem Aspekt der Heilsgeschichte und der Inkarnation Gottes in die Geschichte komme der Philosophie als dem menschlichen Instrument der Suche nach letzten Wahrheiten eine herausragende Rolle zu (vgl. Nr. 12–15). Das Verhältnis von Offenbarungswahrheit und der menschlichen Vernunft, der ein Streben nach ultimativer Wahrheit eigen sei, wird als konvergent gedacht (vgl. Nr. 16 und 17, 24–27, 48). Aber natürlich bleibe die Torheit des Kreuzes ein Stein des Anstoßes; Philosophie – als Weisheit der Welt – könne hier nur vorankommen, wenn sie sich dem Glauben öffne (vgl. Nr. 23). Dieses Zueinander von Konvergenz und Elementen einer Dialektik wird in Fides et Ratio in einem kursorischen Durchgang durch die Theologiegeschichte narrativ veranschaulicht (vgl. Nr. 36–44). Dass Glaube und Philosophie eine Synthese eingehen können und auch sollen, ist die klare Botschaft dieser Abschnitte; sie wird verstärkt durch die in der Tendenz negative Qualifikation der Moderne (vgl. Nr. 46–47). Die prekäre und problematische Sündenfallerzählung von Rationalismus und Nihilismus ist hier dann doch viel zu schnell zur Hand. Sieht man von diesem eigenartigen Narrativ ab, so wird man feststellen können, dass Fides et Ratio die Autonomie der Philosophie zwar unterstreicht (vgl. Nr. 49), die Grenze aber da zieht, wo problematische philosophische Auffassungen Theologie und Glaube zu kontaminieren drohen.

Es ist nicht ohne Ironie, dass Fides et Ratio im Sinne einer Bannung der Kontaminationsgefahren, die von ‚falschen‘ philosophischen Auffassungen ausgehen, auf die Selbstkritikfähigkeit der Philosophie vertraut (vgl. Nr. 51) – was ein wenig an eine Hase- und Igel-Situation erinnert, bei der das Lehramt (der Igel) immer schon im Zielpunkt ‚richtiger‘ Einsichten und Annahmen angekommen zu sein scheint. Kursorisch werden von der Enzyklika folgerichtig auch einige lehramtliche Interventionen gestreift, mit denen in der Vergangenheit schon vor philosophischen ‚Irrtümern‘ gewarnt worden sei, und einige angebliche Probleme der gegenwärtigen philosophischen Landschaft benannt: die Ausklammerung oder Abschaffung dezidiert metaphysischer Fragen, ein neuer theologischer Rationalismus, der angeblich bestimmte Philosopheme verabsolutiert, und ein neuer Fideismus, der die vernünftige Glaubensverantwortung hintanstellt, werden beklagt (vgl. Nr. 55).

Fides et Ratio betont die Notwendigkeit der philosophischen Ausbildung im Rahmen der Theologie-, insbesondere der Priesterausbildung. Sie wird unter das Vorzeichen eines Dialogs mit der Welt gestellt (vgl. Nr. 60). In den darauffolgenden Abschnitten warnt die Enzyklika daher auch vor einer Vernachlässigung der Philosophieausbildung im Theologiestudium. Fides et Ratio geht von einem anthropologischen Kontext aus und zählt das Philosophieren zu den existenziellen Basisgegebenheiten des Menschseins, sodass die Theologie schon allein aus diesem Grund, mehr aber noch aufgrund der miteinander verbrachten und verflochtenen Geschichte und der von der Philosophie herstammenden Methodiken gar nicht anders könne, als die Philosophie wertzuschätzen und das Studium der Philosophie in die Theologie zu implementieren:

„Das Wort Gottes richtet sich an jeden Menschen, zu jeder Zeit und an jedem Ort der Erde; und der Mensch ist von Natur aus Philosoph. Die Theologie, als durchdachte wissenschaftliche Erarbeitung des Verständnisses dieses Wortes im Lichte des Glaubens, kann sowohl für manche ihrer Verfahrensweisen wie auch für die Erfüllung bestimmter Aufgaben nicht darauf verzichten, mit den Philosophien in Beziehung zu treten, die im Laufe der Geschichte tatsächlich ausgearbeitet worden sind. Ohne den Theologen besondere Methoden empfehlen zu wollen, was dem Lehramt auch gar nicht zusteht, möchte ich vielmehr einige Aufgaben der Theologie ins Gedächtnis rufen, bei denen aufgrund des Wesens des geoffenbarten Wortes der Rückgriff auf das philosophische Denken geboten ist.“ (Nr. 64)

Fides et Ratio stellt im Horizont einer ‚Analysis fidei‘ für die Philosophie eine doppelte Relevanz heraus: In einer sozusagen transzendental-anthropologischen Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit für das Hören und Empfangen des Glaubens bilde die rigorose Wahrheits- und Sinnsuche in der Philosophie eine nicht zu ignorierende Basis (vgl. Nr. 65). Und für die spekulative Durchdringung des Glaubens, die wissenschaftliche Glaubensreflexion sei die Philosophie ein unerlässliches methodologisches Hilfsmittel und Rüstzeug (vgl. ebd.). Konsequent wird daher den systematisch-theologischen Fächern – Dogmatik (vgl. Nr. 66), Fundamentaltheologie (vgl. Nr. 67) und Moraltheologie (vgl. Nr. 68) – die Auseinandersetzung mit der Philosophie und ihre Implementierung empfohlen.

Nun könnte (und müsste) man angesichts der durchaus bemerkenswerten transzendentalanthropologischen Basis nachfragen, ob die Theologie nicht doch auch an andere Ausformungen von Kultur und Geschichte, an andere Wissenschaften, an Literatur und Kunst zu verweisen wäre, weil und insofern sich darin ebenso menschliche Sinnsuche und menschliche Neugier zum Ausdruck bringen. Die Enzyklika streift solche berechtigten Fragen und gibt der Philosophie einen noblen, nichtsdestotrotz umstrittenen Rang zurück – den einer Königin der Wissenschaften (möchte man sagen, obwohl Fides et Ratio diesen Ausdruck natürlich nicht gebraucht), weil es als Aufgabe der Philosophie erachtet wird, alle Artikulationen des menschlichen Geistes (seiner Sinnsuche und seines Erkenntnisstrebens) einer rigorosen Reflexion unter dem Blickwinkel der Wahrheitssuche zu unterwerfen und dadurch einen auf alles Denkbare hin eröffneten Gegenstandsbereich zu beziehen:

„Man mag vielleicht einwenden, daß sich der Theologe in der gegenwärtigen Situation weniger der Philosophie als vielmehr der Hilfe anderer Formen des menschlichen Wissens bedienen sollte, wie der Geschichte und vor allem der Naturwissenschaften, deren jüngste außergewöhnliche Entwicklungen alle bewundern. Andere dagegen vertreten infolge einer gesteigerten Sensibilität für die Beziehung zwischen Glaube und Kultur die Ansicht, die Theologie sollte sich statt einer Philosophie griechischen und eurozentrischen Ursprungs lieber den traditionellen Weisheitsformen zuwenden. Wieder andere leugnen, von einer falschen Vorstellung des Pluralismus der Kulturen ausgehend, schlechthin den universalen Wert des von der Kirche empfangenen philosophischen Erbes.

Diese hier angeführten Ansichten, die uns unter anderem bereits in der Lehre des Konzils begegnen, sind teilweise wahr. Die Bezugnahme auf die Naturwissenschaften ist in vielen Fällen nützlich, weil sie eine vollständigere Kenntnis des Forschungsobjektes ermöglicht; sie darf jedoch nicht die notwendige Vermittlung einer typisch philosophischen, kritischen und Allgemeingültigkeit anstrebenden Reflexion in Vergessenheit geraten lassen, die im übrigen von einem fruchtbaren Austausch zwischen den Kulturen gefordert wird. Was ich dringend unterstreichen möchte, ist die Verpflichtung, nicht beim konkreten Einzelfall stehenzubleiben und damit die vorrangige Aufgabe zu vernachlässigen, die darin besteht, den universalen Charakter des Glaubensinhaltes aufzuzeigen. Zudem darf man nicht vergessen, daß es der besondere Beitrag des philosophischen Denkens erlaubt, sowohl in den verschiedenen Lebensauffassungen wie in den Kulturen zu erkennen, ‚nicht was die Menschen denken, sondern welches die objektive Wahrheit ist‘. Nicht die verschiedenen menschlichen Meinungen, sondern allein die Wahrheit kann für die Theologie hilfreich sein.“ (Nr. 69)

Fides et Ratio malt ein großartiges, zugegeben: romantisches Deckenfresko, das zweifellos noch im binnenchristlichen architektonischen Denkraum verbleibt und noch keine elaborierte Sichtweise auf die vielen Artikulationen des menschlichen Geistes in Kultur und Geschichte und je eigene, nicht erst durch die philosophische Reflexion vermittelte Relevanz für die Theologie enthält. Der Philosophie wird zwar eine Autonomie konzediert – und die performativ nicht zu leugnende Wahrheitsorientierung alles Philosophierens ist eine durchaus zutreffende Kennzeichnung ihres innersten Antriebs –, andererseits werden bestimmte Rollen für die Philosophie im Verhältnis zur Theologie festgelegt: Die Philosophie bleibt ‚Zurüsterin‘, die die vielfältigen semantischen Artefakte des menschlichen Geistes und seiner Geschichte im Modus ihrer genuin eigenen Reflexion aufzubereiten und in die Koordinaten eines universalen Reflexionsrahmens zu übertragen hat, der sich mit jenem universalen Horizont, der für die Theologie durch den Gottesglauben eröffnet ist, als kongruent erweisen soll. Die Philosophie ist Lieferantin für Methoden und Diskurse, Argumentationspräzision und Reflexionsstandards.

Die Frage, ob die Philosophie (zu Recht oder zu Unrecht) in denselben Gewässern fischt wie die Religion(en) und ob sich dadurch womöglich spannende, aber auch konfliktträchtige Konkurrenzsituationen ergeben, wird in der Enzyklika nicht mehr eigentlich angeschnitten. Stattdessen gibt Fides et Ratio nachdrückliche Empfehlungen und präskribiert damit auch Regeln für die Standards philosophischen Suchens und Fragens, wenn die Wiederentdeckung der weisheitlichen Dimension des Philosophierens (vgl. Nr. 81), der unbedingte Wahrheitswille (vgl. Nr. 82), die Ausrichtung des Fragens auf ein letztes Absolutes (vgl. Nr. 83) und ein dezidiert spekulatives Denken (vgl. Nr. 84) angemahnt bzw. ‚verordnet‘ werden. Fühlt sich das Lehramt hier als Apotheker der Geistesgeschichte, dessen Aufgabe es wäre, für bestimmte Leiden (der Philosphie) nun auch Kuren und Arzneien zu verordnen? Solch ein Eindruck kann sich aufdrängen, wenn man erneut spezifische Gravamina zur Kenntnis zu nehmen hat, die – auch in anderen Kontexten – einen ohnehin starken Resonanzraum während der Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besaßen: die Warnung vor einem philosophischen Eklektizismus (vgl. Nr. 86), vor Historismus und Modernismus (vgl. Nr. 87), vor einem Szientismus (vgl. Nr. 88), vor einem lediglich pragmatisch orientierten Denken (vgl. Nr. 89) oder vor den nihilistischen Konsequenzen einer allzu stark affirmierten postmodernen Geisteshaltung (vgl. Nr. 90). Übersehen wird in diesen Gravamina möglicherweise aber, dass die methodologische Favorisierung bestimmter philosophischer Richtungen immer schon einen Innovationsschub in der Theologie ausgelöst hat (man denke an den Einfluss des Aristoteles und man denke für die Gegenwart an die Relevanz der Phänomenologie), der nicht ohne eine gewisse Konzentration zu haben ist. Ins Hintertreffen gerät zudem, dass Philosophie als akademische Disziplin einen wissenschaftlichen Anspruch haben muss, der mit eigenformatigen wissenschaftlichen Methodiken, Praktiken und dem entsprechenden Rigorismus einhergeht. Unterschlagen wird, dass es eine ganze philosophische Strömung gibt, die das Handeln und die Orientierung im Handeln als Ausgangspunkt wählt und jede abstrakte Spekulation in ihrer Berechtigung strikt an dieses pragmatische Fundament bindet. Ausgeblendet wird zuletzt, dass die sogenannte postmoderne Philosophie – die für sich ja keinen homogenen Block darstellt – das Gespür für die Fragilität der Vernunft, die Unsicherheit des Wahrheitsstrebens geschärft hat und auf diese Weise christliche Denkfiguren – wie das Konzept der Kenosis – neu befruchtete oder die durchaus ernstzunehmende Möglichkeit eines nichtenden Erkenntnis- und Seins-Abgrunds als Ort des Gottvermissens oder der Gottessehnsucht auszuweisen vermochte. Und man ist schließlich auch versucht zu fragen, von welcher Warte aus und mit welchem Recht das Magisterium die genannten philosophischen Leistungen erbittet oder die parallel dazu geschalteten Warnungen ausspricht.

Allerdings lassen sich die eben gestreiften Passagen aus Fides et Ratio auch anders lesen: Die Enzyklika denkt durchgehend vom Glauben und von der Theologie her; sie beruft und besinnt sich auf den geschichtlich ausweisbaren, fruchtbaren Dialog zwischen Theologie und Philosophie und sieht es von daher selbstverständlich als magisteriale Aufgabe an, Grenz- und Kompatibilitätsvermessungen vorzunehmen: Eine Philosophie, die sich von ihrem Wahrheitsstreben, von ihrem spekulativ-metaphysischen Impetus, von einer Hermeneutik des Sinns und Lebenssinnes ganz abschneiden wollte, wäre eher eine von außen kommende, an die Substanz gehende Anfrage an den Glauben und kein, synergetisch mit dem Glaubensakt verbundener, theologischer Lernort mehr.

Stellt man die Enzyklika in den Kontext der Gegenwart – also in das Jahr 2020 –, so wird man etwas durchaus Erstaunliches feststellen dürfen: Insbesondere mit der zusehends breiter ausfallenden Rezeption analytischer Philosophie und ihrer Diskurse (aber nicht zwingend nur durch sie) wandelt sich auch die Gestalt der theologienahen Fachphilosophie: Durch analytische Erkenntnistheorien ist die Wahrheits- und Rationalitätsthematik auch in Hinsicht auf religiöse Überzeugungen wieder präsent; analytische Metaphysiken verbinden sich mit Fragen der philosophischen Theologie und der Religionsphilosophie und entflammen einen Willen zum spekulativen Denken und zur Theoriebildung, die Rekonstruktion philosophiehistorischer Vermächtnisse durch analytische Interpretationsmethoden erweist sich als bemerkenswert fruchtbar.

Dieser jüngeren Entwicklung steht, wie bereits erwähnt, in der gegenwärtigen systematischen Theologie eine teilweise offensive Ablehnung gegenüber; dem hier und da schon anzutreffenden neuen analytischen Zungenschlag, der sich im jüngerer Zeit auch in Gestalt einer Analytischen Theologie artikuliert, begegnet in der Theologie nicht nur Erstaunen, sondern auch eine Abgrenzungsprogrammatik, die sich wiederholt im notorischen (Neu-)Scholastik-Vorwurf zum Ausdruck bringt. Hat sich, so scheint die implizite oder explizite Frage zu lauten, die theologieinterne Fachphilosophie in den letzten 50 Jahren im Kreis gedreht? Ist diese besondere Berufsgruppe, deren Mitgliederversammlungen vor Jahrzehnten noch als ‚Scholastikertreffen‘ karikiert worden waren, wieder an eben diesem Ausgangspunkt angekommen? Ist die theologieimmanente Fachphilosophie wieder bei einer Beschäftigungsmaßnahme angelangt, die ihr am liebsten zu sein scheint: der sterilen Begriffs-Seziererei, der monotonen Distinktionskaskade, dem clubinternen Debattieren um Subargumente und Sub-Subargumente?

Wer so fragt und die damit zusammenhängenden Etiketten vergibt, übersieht aber vielleicht auch drei wichtige Konstellationen, die die theologieinterne Fachphilosophie derzeit zu verarbeiten hat: (i) Die theologieinterne Philosophie steht unter dem durchaus auch aus der Theologie und der Berufungspolitik der vergangenen Jahrzehnte heraus erzeugten Druck, sich auf Augenhöhe mit den ‚fachphilosophischen‘ Diskursen zu bewegen. Der zunehmende Einfluss analytischer Philosophie in der akademischen Fachphilosophie kann daher nicht folgen- und wirkungslos bleiben. (ii) Neben einer nach wie vor bestehenden Diversität von philosophischen Zugängen und Stilen bildet sich auch die interne Vielfalt und Diversität analytischen Denkens in den verschiedenen Schwerpunkten der Fachvertreter*innen ab. Philosophiegeschichtlich setzen durchaus nicht alle Kolleginnen und Kollegen ihre Akzente – wie der (Neu-)Scholastik-Vorwurf vermuten lässt – in der mittelalterlichen Philosophie, sondern beispielsweise zunehmend in der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, der Antike oder der frühen Neuzeit. (iii) Das angloamerikanische Bildungsprogramm hat sich in den klar sortierten Themenfeldern und ‚Traktaten‘, die mit einer hohen Professionalität und Hingabe von namhaften Exponenten der zeitgenössischen analytischen Philosophie systematisiert werden, erhalten. Gerade durch die Neuordnung der Studiengänge, die Implementierung der Modulverfassung und die Einführung fächerübergreifender thematischer Module hat sich eine neue Notwendigkeit ergeben, Philosophie de facto auch in Traktatform in die jeweiligen Module einzuspeisen: Konnten es sich die Altvorderen noch leisten, über zwei, ja drei Semester hinweg Spezialvorlesungen zu Klassikern der Philosophie anzubieten, steht die jüngere Generation unter dem Zugzwang thematischer Modulbeschickung innerhalb eines Zwei-Semesterwochenstunden-Korsetts, das die Philosophieausbildung in der Theologie über die ganze Dauer des Theologiestudiums verteilt. Der dafür erfolgende Rückgriff auf vergleichbare Stofforganisationsstrukturen aus anderen und nicht weniger renommierten Bildungstraditionen sollte daher nicht unbedingt überraschen.

1.4 ‚Mission impossible‘?

Das oben bereits erwähnte Dokument der Bildungskongregation setzt in seinem Duktus, wie wir schon gesehen haben, bei den Überlegungen von Fides et Ratio ein. Die schon bekannten Warnungen werden etwas verschärft, insofern als das Dekret faktisch von einer Krisensituation der zeitgenössischen Philosophie spricht (ohne freilich konkrete Strömungen oder Exponenten zu nennen) und mit Nachdruck auch Metaphysik als Aufgabe der Philosophie erwähnt:

„Die metaphysische Komponente ist der unumgängliche Weg, ‚um die Krisensituation, die heutzutage große Teile der Philosophie durchzieht, zu überwinden und auf diese Weise manche in unserer Gesellschaft verbreiteten abwegigen Verhaltensweisen zu korrigieren‘. Unter dieser Perspektive sind die Philosophen dazu eingeladen, mit Nachdruck die ‚ursprüngliche Berufung‘ der Philosophie wieder zu gewinnen: die Suche nach dem Wahren und seiner weisheitlichen und metaphysischen Dimension.“ (Nr. 3)

Verbunden mit dieser Sichtweise ist ein Appell, der auf eine Wiedergewinnung einer universalen Vernünftigkeit hofft, durch die ein Dialog mit verfeindet erscheinenden Wissensbereichen (Theologie vs. Naturwissenschaften) überhaupt wieder in Gang kommen kann (vgl. Nr. 7). Mit anderen Worten: Für die Diagnostik der Zeitläufte, noch mehr aber für ein Gespräch mit den Anders- und Außen-Orten von Theologie empfiehlt die Bildungskongregation eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Philosophie:

„Durch den Erwerb der intellektuellen, wissenschaftlichen und weisheitlichen ‚Habitus‘ lernt die Vernunft, über die empirischen Daten hinaus zu erkennen. Gerade die intellektuelle Debatte in einer pluralistischen Gesellschaft, heftig bedroht vom Relativismus und den Ideologien, oder in Gesellschaften ohne echte Freiheit, fordert von den Studenten der kirchlichen Fakultäten die Aneignung einer soliden philosophischen forma mentis. Diese ‚Habitus‘ erlauben, stringent zu denken, zu erkennen und zu begründen und auch auf wirksame Weise und ohne Angst mit jedermann in einen Dialog einzutreten.“ (Nr. 11)

In den Nummern 9 bis 11 hält das Dokument an einer gediegenen Philosophieausbildung innerhalb des Theologiestudiums fest. Indirekt wird damit noch einmal die Vernunftkonformität des Glaubens unterstrichen, aber auch zu erkennen gegeben, dass die gegenwärtige Situation der Theologie als Krise der philosophischen Fundamente der Theologie begriffen wird. Das im Dokument anvisierte Studienmodell, das zwar primär für kirchliche Einrichtungen empfohlen ist, aber auch das an staatlichen theologischen Fakultäten implementierte Philosophiecurriculum im Visier hat, hält am propädeutischen Charakter der Philosophie fest und formuliert eine Studienkonzeption, die quer zu den im deutschen Sprachraum entwickelten Modulplänen des theologischen Vollstudiums liegt:

„Eine ausufernde Vermischung der philosophischen und theologischen oder auch anderer Fächer hat bei den Studenten eine mangelnde Ausbildung der jeweiligen intellektuellen ‚Habitus‘ und ein Durcheinander der Methodologien der verschiedenen Disziplinen und ihres spezifischen epistemologischen Status zur Folge. Um die wachsende Gefahr eines Fideismus zu bannen und sowohl eine Instrumentalisierung als auch eine Fragmentierung der Philosophie zu vermeiden, ist es zu bevorzugen, die philosophischen Kurse in den ersten beiden Jahren der philosophisch-theologischen Ausbildung zu konzentrieren. Diese Philosophiestudien, die im Hinblick auf das Theologiestudium absolviert werden, sollten im Laufe der ersten beiden Jahre mit den Einführungskursen in die Theologie verbunden werden.“ (Nr. 15 b)


In den allgemeinen Normen formuliert das Dekret eine Modifikation der Artikel 72 a) und anderer Artikel aus „Sapientia Christiana“, deren Gehalt später auch Eingang in das Nachfolgedokument „Veritatis Gaudium“ gefunden haben: Die ersten beiden Jahre des Theologiestudiums sollen mehrheitlich dem Philosophiestudium gewidmet sein; in den Verordnungen zur Modifikation des Art. 51 wird eine Zahl von drei Vollzeit-Philosophiedozierenden festgelegt. Die Verordnungen zu Art. 51 skizzieren zudem einen ‚Traktatekanon‘ für die Philosophie in der Theologie; neben Lehrveranstaltungen zu allen Epochen der Philosophiegeschichte soll auch die systematische Philosophie eine Gliederung aufweisen und daher bestimmte Themengebiete umfassen:

„Die systematische Lehre soll, über eine allgemeine Einleitung hinaus, die grundlegenden Teile der Philosophie beinhalten: 1) Metaphysik (verstanden als Philosophie des Seins und der Theologia naturalis), 2) Naturphilosophie, 3) philosophische Anthropologie, 4) philosophische Ethik und politische Philosophie, 5) Logik und Erkenntnislehre.“

Diese Umschreibung wurde in Veritatis Gaudium in den Ordinationes (Besondere Normen, Art. 55) nahezu gleichlautend übernommen; auch der Hinweis, dass alle philosophischen Kurse vorwiegend in den ersten beiden Studienjahren absolviert werden sollen, findet sich in diesem Dokument wieder. In Art. 74 a) der Allgemeinen Normen hält Veritatis Gaudium fast lakonisch an der Notwendigkeit einer gediegenen philosophischen Ausbildung fest, „da diese für ein angemessenes Angehen des Theologiestudiums notwendig ist.“

Die auch in diesen Dokumenten zu identifizierende Sichtweise auf die Philosophie als Propädeutikum, ja vielleicht sogar als ‚ancilla‘ der Theologie, wurde bereits problematisiert. Dennoch wäre es ausgesprochen unfair, die römischen Dokumente nur auf dieser Folie zu beurteilen. Wie in Fides et Ratio ist auch im Dekret der Bildungskongregation ein Respekt vor der Autonomie der Philosophie spürbar. Und dieses Dekret enthält – das darf man vielleicht so sagen – eine Vision: Für den Dialog mit einer hochkomplexen Welt, in der die christliche Stimme nur eine unter anderen ist, ist die Philosophie aus der Sicht des Magisteriums unerlässlich; die Tür zum ‚Vorhof der Völker‘ lässt sich am besten durch die intellektuelle Auseinandersetzung öffnen.

Aber – so wird man mit Blick auf den Realitätstest jetzt auch zu fragen haben – sind die römischen Vorgaben umsetzbar? Die Modulpläne der jüngsten deutschen Studienreform haben der theologieinternen Philosophie eine Fülle von unlösbaren Problemen beschert: Von der Grundlegungsphase des Theologiestudiums in den ersten zwei Jahren ist nur ein einziges, etwas umfänglicheres, sechs bis acht Semesterwochenstunden umfassendes Basismodul geblieben, in das lediglich ein schmaler Rumpf von Grundlegungsvorlesungen (etwa zu Erkenntnistheorie oder Metaphysik) oder Einführungen in philosophiegeschichtliche Epochen hineinverpackt werden kann. Die Zuordnung zu fächerübergreifenden thematischen Modulen während der sogenannten Aufbauphase (3. bis 6. Semester) hat zu inhaltlichen Flaschenhälsen geführt, die bestimmte Themenbereiche, die vom Dekret explizit genannt und Veritatis Gaudium implizit mitgedacht werden, ins Hintertreffen geraten lassen: Vor allem eine ausgefaltete Metaphysik, eine dezidierte Naturphilosophie, eine Einführung in die Logik oder gar eine eigene Pflichtlehrveranstaltung zur politischen Philosophie lassen sich in der Aufbauphase, die von thematischen Modulen durchzogen ist, nur mit Mühe unterbringen. Zudem ist der Eindruck einer Methodenvermischung, vor der das Dekret warnt, durch die gemeinsame Modulbeschickung aus sehr unterschiedlichen Fächern während der Aufbauphase kaum zu vermeiden. Nicht einmal eine intern konsekutive, vom Grundlegenden ins Spezielle gehende Abfolge von Lehrveranstaltungsthemen und Vorlesungsprogrammen ist realisierbar, weil die Philosophie in vielen Modulplänen sowohl in der Basis- als auch in der Vertiefungsphase mit der Fundamentaltheologie zusammengespannt ist, was sicher – unter der unvermeidlichen Maßgabe der Einspannerei von Fächern in Module – eine pragmatisch sinnvolle Lösung darstellt, aber natürlich – sofern überhaupt der Anschein einer intern organischen Struktur eines Moduls erweckt werden soll – zu einem Übergewicht der Vernunft-Glaube-Gesichtspunkte führt, das entweder eine Reduktion der philosophischen Stoffgebiete oder aber eine kreative Buchführung auslöst: Das eine führt zu einer erheblichen Reduktion der Philosophie auf theologienahe Fragen und Methoden; das andere stört die thematische Einheitlichkeit der Module oder macht die geforderten Modulgesamtprüfungen zu einer immer neuen Herausforderung. Von der in den römischen Dokumenten erbetenen ‚Grundlegungsfunktion‘ ist nicht mehr viel geblieben; auch die von den römischen Dokumenten empfohlene Personalausstattung ist nur auf der Basis fächerübergreifender Zurechnung philosophieverwendender Lehrinhalte einlösbar. [...]


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