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Leseprobe 2
Lydia Bendel-Maidl
Theologie der Gegenwart als Spirituelle Theologie
Neuere Entwürfe zu einer »Theologie der Spiritualität«
Karl Baier (Hrsg.), Handbuch Spiritualität. Zugänge – Traditionen – Interreligiöse Prozesse, WBG Darmstadt 2006. 368 S.

Erwin Möde
, Christliche Spiritualität und Mystik. Eine systematische Hinführung (Eichstätter Studien Neue Folge Bd. 60), Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2009. 202 S.

Simon Peng-Keller
, Einführung in die Theologie der Spiritualität (Einführung Theologie), WBG Darmstadt 2010. 165 S.

Kees Waaijman, Handbuch der Spiritualität. Formen, Grundlagen, Methoden, 3 Bde, Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2004, 2005, 2007. 324 S. 311 S. 373 S. Anton Rotzetter, Lexikon christlicher Spiritualität, WBG Darmstadt 2008. 676 S.

1. Aktualität und Begründung der Auswahl

Die anhaltende extensive spirituelle Suche in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren hat zu einer wahren Flut auf dem Büchermarkt geführt und zu einer Ratlosigkeit bei einem Teil der Theologinnen und Theologen, der in vielen Strömungen und Werken die Kompatibilität mit gewohnten Formen christlicher Frömmigkeit vermisst. Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner hat die Entwicklung »mehr als ein[en] Megatrend« genannt. Auf wissenschaftlicher Ebene erweist sich die christlich-theologische Betrachtungsweise spiritueller Themen als ein Zugang neben einer Vielfalt weiterer Forschungsinteressen und Forschungsmethoden, u. a. philosophischen, sozial- und religionswissenschaftlichen, religionspsychologischen und medizinischen. Die Fülle an wissenschaftlicher Literatur zur Spiritualität bibliographisch auch nur annähernd zu erfassen ist heute wohl nicht einmal mehr in Teamarbeit zu bewerkstelligen.

Die hier vorgenommene Umschau rückt Werke in den Blick, die ganz unterschiedlich versuchen, das Feld christlicher Spiritualität inmitten der spirituellen Suchbewegungen abzustecken, zu kategorisieren und für die wissenschaftliche Reflexion fruchtbar zu machen. Teils zeigen sich darin Schneisen aus Sorge um die eigene Identität, teils sind es Zugänge, die eine erste Orientierung versuchen, teils Markierungen unverzichtbarer Perspektiven, allenfalls bemüht um ein verlässliches Fundament, wie es Handbücher und Lexika seit jeher bieten wollen. Daher liegt der Fokus auf vier ganz unterschiedlich angelegten Handbüchern zur Spiritualität resp. Theologie der Spiritualität aus katholischer Perspektive in deutscher Sprache. Denn es ist auffallend, dass nach und neben einer Vielfalt an Einzelstudien in den letzten fünf Jahren mehrere deutschsprachige Kompendien entstanden.

Die Schwierigkeit, Spiritualität in den herkömmlichen theologischen Kategorien zu beschreiben und damit die Phänomene einzufangen, zeigt sich nicht zuletzt in dem neben zwei Handbüchern ebenfalls in der WBG erschienenen »Lexikon der christlichen Spiritualität« von Anton Rotzetter – einem Kenner, dessen Sensibilität zur Konzeption des ersten Lehrgangs für Spiritualität an der Theologischen Hochschule in Münster führte. Welche Lemmata soll man auswählen? Was ist für Spiritualität relevant? Für welche Bereiche spielt Spiritualität eine Rolle? Bei der vorgenommenen breiten Auswahl stellt sich rasch die Frage ein, welchen Platz ein eigenes Lexikon zusätzlich zur Vielfalt gediegener theologischer Nachschlagewerke noch finden soll. Kann es die Bedeutung der Perspektive Spiritualität wirklich aufzeigen, wenn etwa ein allgemein orientierender Artikel zur Marktwirtschaft in einer knappen Spalte verhandelt wird? Es ist zu begrüßen, dass Rotzetter so die Engführung auf klassische Themen der Frömmigkeit aufbrechen wollte und sich zugleich auf der Ebene sachlicher Information bewegt. Aber hätte er nicht mehr Information und Anregung bringen können, wenn er einen stärker charakterisierenden Zugang gewählt hätte? Vielleicht ist diese tour d’horizon ein Ausdruck der gegenwärtigen Ratlosigkeit gegenüber der Vielfalt der Suchbewegungen und wissenschaftlichen Ansätze zur Erforschung.

Spiritualität spielt seit jeher in allen theologischen Fächern eine mehr oder weniger große Rolle. Und doch tut man sich sehr schwer mit der Verortung, obwohl wir ausgeprägte Traditionen auch in unserer westlichen Theologie haben, die nahelegen, dass Spiritualität der klassische Locus theologicus sein müsste. Ein starker Indikator für dieses vielleicht überraschende Votum ist Thomas von Aquin mit seiner Aussage über den Stellenwert des Gewissens. Sogar wenn es subjektiv irrt, ist das Gewissen für den Einzelnen die oberste Instanz – in absoluter Verbindlichkeit vor jeglichem Amt oder äußerer Autorität. Dieses Urgewissen, das auch im verdorbensten Sünder nicht zugeschüttet werden könne, ist mehr als eine moralische Instanz. Es ist gleichsam eine Tiefendimension der Person, die ihr die Spur weist im Bemühen um Identität und Authentizität, also eine spirituelle Mitte. Der Weg zum »Seelenfünklein« bei Meister Eckhart ist nicht weit – ein ursprünglicher Grundzug dominikanischer Spiritualität?

Zur institutionellen Einordnung der Einführungen

Im Kontext akademischer Theologie hatte und hat eine eigene Disziplin »Theologie der Spiritualität « nach wie vor einen schweren Stand – Georg Wieland sprach von der »strukturellen Heimatlosigkeit «. An angloamerikanischen Universitäten hat sich das Fach im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts von den theologischen Disziplinen abgekoppelt, so dass es heute zunehmend einen eigenständigen Forschungsbereich innerhalb der religious studies darstellt, den man study of spirituality oder einfach spirituality nennt. Davon wird Christian spirituality als konfessionsgebundene Disziplin unterschieden, deren Verhältnis zur theology (worunter im strengen Sinne nur systematische Theologie und Moraltheologie zählen) noch umstritten ist.

Im deutschen Sprachraum ist allein in Wien das Fach als »Theologie und Geschichte der Spiritualität« an einer staatlichen Universität beheimatet. Daneben gibt es einen eigenen Lehrstuhl für Christliche Spiritualität und Homiletik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, den derzeit Erwin Möde (geb. 1954) inne hat.

Eigene Ausbildungsgänge sind an kirchlichen theologischen Hochschulen zu finden: An der Theologischen Hochschule der Kapuziner in Münster im Institut für Spiritualität werden zwei Ausbildungsgänge angeboten. Einen berufsbegleitenden Fortbildungslehrgang mit einer interessanten Verbindung von psychologisch-psychotherapeutischen und theologisch-spirituellen Fragestellungen gibt es an der Philosopisch-theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt/ Main. Das Titus-Brandsma-Institut in Nijmegen, das seit mehr als 30 Jahren zu den international führenden Instituten für Spiritualität gehört, mit einer umfangreichen Bibliothek und einem eigenen Jahrbuch, tritt in den Blick durch die deutsche Übersetzung eines Handbuchs, das Kees Waaijman (geb. 1942) schrieb, der langjährige Direktor und zugleich Professor für Spiritualität an der katholischen Universität Nijmegen.

Neueste Brückenschläge sind Universitätslehrgänge in der Schweiz und in Österreich, die eine Verbindung von Lehre und Praxis suchen.

Der von Karl Baier (geb. 1954) herausgegebene Band ist die Frucht eines Post-Graduate-Universitätslehrgangs »Spirituelle Theologie im interreligiösen Dialog«, der in den Jahren 2002– 2005 unter der Leitung des Herausgebers von der Universität Salzburg (Katholisch-theologische Fakultät, Fachbereich Systematische Theologie: Theologie interkulturell und Studium der Religionen) in Kooperation mit dem Bildungshaus St. Virgil veranstaltet wurde, ergänzt um einzelne Beiträge. Karl Baier ist heute Professor für Religionswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.
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