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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/thq.2018.4.247-260
Bart J. Koet / Erik Sengers
Der Diakon als Vermittler
Eine kleine praktische Theologie des Amtes
III. Dienst am Reich Gottes

Wenn der Diakon ein Botschafter oder Vermittler sein soll, stellt sich die Frage, wovon, in wessen Auftrag, in welchem Dienst er steht. Die umfassendste Antwort ist unseres Erachtens: „Das Reich Gottes, dessen Anfang sichtbar wird in der Gemeinde der Gläubigen, die Zeichen und Werkzeug dieses Reichs ist.“ Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist die Perspektive des Reiches Gottes wieder ins Zentrum des theologischen Denkens gerückt. Die Verkündigung der Nähe des Reiches Gottes wird als Kern der Botschaft und Verkündigung Jesu gesehen. Diese Verkündigung hört nicht nach dessen Tod Jesu, sondern wird an seine Jünger und Schüler weitergegeben und zur Mission der Kirche gemacht. Die Verkündigung dieser frohen Botschaft wird von den Schülern als Aufruf erfahren, prophetische Zeichen dieses neuen Gottesreiches in der Welt sichtbar zu machen. Und so wird die Verkündigung dieser frohen Botschaft die Legitimation für die Kirche, um sich als Sakrament, als Zeichen des Reichs Gottes in der Gesellschaft zu verstehen, als wirksames Zeichen des liebenden, gerechten und vergebenden Gottes, der von Jesus verkündet und dargestellt wird. Alle Ämter in der Kirche und all ihre Dienste sollten auf diese Botschaft ausgerichtet sein.

Was bedeutet diese Stellungnahme für die Arbeitsfelder des Diakons? Dies bedeutet an erster Stelle, dass er ein kirchliches Amt hat und es in der Kirche auch ausüben kann. Seine erste Sorge sollte das Wohlergehen der Gemeinschaft der Gläubigen, der Schüler Jesu sein. Dies ist auch das Urmodell des Diakonenamtes, als die Sieben von den Aposteln berufen wurden, um ihnen in der Sorge für die wachsende Gemeinde beizustehen. Diakone haben daher einen natürlichen Platz in der Gemeindearbeit vor Ort mit einem Pfarrer oder selbstständig, wenn kein Pfarrer täglich in der Nähe ist, um zur Lebendigkeit des Gemeindelebens, zur Teilnahme an den Sakramenten beizutragen, und um Menschen in den christlichen Glauben zu initiieren. Diakone haben daher aber auch ihren natürlichen Platz in der kirchlichen Bürokratie, in der Organisation auf höherer Ebene, als Caritas-Direktor, als Referent oder Büroleiter, als Ökonom oder Verwalter der kirchlichen Kunst, als Verwalter von kirchlichen Heimen oder Bildungszentren – je nach Begabung und Eignung. Also können Diakone auf verschiedenen Niveaus innerhalb der Kirche als Vermittler oder Bote zwischen den Gemeinden als Volk Gottes und deren Aufseher auftreten.

Der zweite natürliche Platz des Diakons ist in der Liturgie. Damit feiert die Kirche, die Glaubensgemeinschaft, auf geheimnisvolle Weise in mysteriösen Zeichen, wie das Reich Gottes sein wird, was es bedeutet. Die Gemeinschaft verwirklicht es auf diese Weise in der heutigen Zeit und knüpft dabei an Leben, Sterben und Auferstehung Jesu an. Die Funktionen des Diakons in der Eucharistie sind genau die, die zwischen dem Geschehen am Altar und der Welt vermitteln, zwischen Sakralem und Säkularem, zwischen dem Zelebranten (Bischof/Priester) und der versammelten Glaubensgemeinschaft: Verkündigung des Evangeliums, Überbringung der Gaben zum Altar, Friedensgruß. Darüber hinaus hat der Diakon die Möglichkeit, in bestimmten Sakramenten oder Sakramentalien selbstständig aufzutreten – Taufe, Eheschließung, Beerdigung, Andachten, Segnungen – und so mit den Zeichen der Kirche Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten. Da die Liturgie einer der zentralen Dienste ist, die die Kirche der Welt zur Verfügung stellt, hat der Diakon darin seinen Platz.

Der dritte natürliche Platz des Diakons ist die Nächstenliebe, die soziale Arbeit und die Solidarität mit den Ausgegrenzten in der Gesellschaft. Diese Gruppen sind die ersten Adressaten der Frohen Botschaft des Reiches Gottes; sie sollen die Ersten sein, die die Güte dieser nahen Zukunft zu spüren bekommen. Der Diakon soll also der Erste sein, der diese Botschaft im Auftrag der Glaubensgemeinschaft überbringt, der diese Botschaft im Kontext der jeweiligen Menschen übersetzt und der mit konkreten Lösungen auch zeigt, dass Gott die Letzten zu den Ersten in seinem Reich macht. Das Vermitteln des Diakons richtet sich aber auch an die Gemeinde, er kann erzählen und zeigen, dass es noch immer Menschen gibt, denen die Gerechtigkeit entzogen wird, die hungern und auf der Flucht sind, die zu Unrecht oder qualvoll im Gefängnis und von der Menschengemeinschaft ausgeschlossen sind. Dadurch, dass der Diakon die Werke der Barmherzigkeit und die Seligsprechungen vorhält, kann er die Glaubensgemeinschaft dorthin führen, wo sie sein sollte: „Das, was ihr den Armen getan habt, habt ihr mir getan.“ Die Nächstenliebe ist Gottesdienst, die im Zeichen des Reichs Gottes steht.

Der vierte natürliche Ort eines Diakons ist die Gesellschaft. Die Kirche sieht sich selbst seit dem Konzil als Sakrament, als wirksames Zeichen Gottes in der Gesellschaft: Dort soll sie wirken und die Gesellschaft von innen her mit ihrem Evangelium vom nahen Reich Gottes erneuern. Sie versteht sich das Salz der Erde und wer, wenn nicht der Diakon, sollte dieses Salz streuen? Es gibt viele Diakone im Nebenberuf, die diese Aufgabe übernehmen können: als Geschäftsmann oder Angestellter, als Führungskraft oder Mitarbeiter, als Polizist, Arzt oder Lehrer: Dort, wo er steht, kann der Diakon Zeugnis ablegen von seinem geistlichen Dienst oder seiner Berufung, was große Bedeutung für den Umgang mit Kollegen, Kunden sowie Umwelt und Ressourcen hat. Kann der Diakon in der Gesellschaft dazu beitragen, dass die Welt sich ein wenig in Richtung ihres Endziels entwickelt? Seine Aufgabe ist auch prophetisch zu verstehen: Der Diakon kann oder soll im Namen des Evangeliums falsche Verhältnisse anprangern und besprechen; er kann das, weil er Kenntnisse und Erfahrungen aus eigener Hand hat. Diese Erfahrungen können auch der Kirche zugutekommen.

Schließlich – aber nicht abschließend – kann der Diakon seinen Platz in der Bildung und sogar in der Wissenschaft finden. Auch dies Bereiche, in der die frohe Botschaft durchdacht und in die Gemeinschaft und Gesellschaft kommuniziert wird, speziell im Bereich der Schulen und der Medien. Diakone können zur Entwicklung katechetischer und pastoraler Methoden und Perspektiven beitragen, wenn sie in der Schule durch ihr Amt die breitere Glaubensgemeinschaft darstellen, wenn sie die Entwicklung von jungen Menschen im Rahmen des christlichen Menschenbildes fördern. Dieser Aspekt des Profils des Diakons gehört zu dem, was Diakone in der alten und mittelalterlichen Kirche getan haben. Beispiele sind Deogratias, der Katechumenen unterrichtete, und Alkuin, der Karl dem Großen half, ein für seine Zeit modernes Schulsystem aufzubauen. Als Wissenschaftler können Diakone tätig sein, sofern es ihnen möglich ist, Glaubensinhalte zu vertiefen und in die aktuelle Sprache umzusetzen. Das ist damit gemeint, wenn Barth schreibt, Theologie sei eine Arbeit des Diakons und erfordere eine dienende Einstellung. Theologie ist in seiner Auffassung Dienst am Wort Gottes, Dienst an der Gemeinde, wo dieses Wort gelebt wird, Dienst an der Welt, wo dieses Wort Realität werden soll und wo Verkündigung mit konkreten Taten Hand in Hand gehen muss.

Was diese Übersicht deutlich zeigt, ist, dass die Aufgaben des Diakons weit über die Dichotomie zwischen Pastoralarbeiter und Sozialarbeiter hinausgehen können und sollen. Wenn man vom Prinzip ausgeht, dass der Diakon im Dienste des Reiches Gottes vermittelt, dann entstehen vollkommen andere Möglichkeiten für seinen Einsatz. Gleichzeitig wird man den beiden Punkten in der Zweiteilung gerecht, indem sie ins breite Spektrum aufgenommen und in eine andere Perspektive gestellt werden. Die Perspektive ist nämlich nicht mehr fokussiert auf das Amt an sich – was ihm zu ‚eigen‘ ist und was der Diakon ‚darf‘ –, sondern auf das Amt in seiner Funktion für das Ganze, für die Mission der Kirche insgesamt. Überall dort, wo Vermittler für die Verbreitung des Reiches Gottes gebraucht werden können, sollen Diakone eingesetzt werden. Schließlich macht unser Prinzip deutlich, dass das Amt des Diakons eines der Ämter in der Kirche ist, das für die Ausweitung des Reiches Gottes verantwortlich ist. Das Wirken des Diakons steht also in Verbindung mit den anderen Ämtern. Dies soll im nächsten Abschnitt anhand des Begriffs ‚dienende Leitung‘ verdeutlicht werden. [...]


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