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Editorial DOI: 10.14623/thq.2018.4.209-210
Wilfried Eisele
Dass Forschung und Lehre nicht an Fächergrenzen Halt machen, sondern über diese Grenzen hinweg ihre Themen interdisziplinär behandeln, ist heutzutage eine allgegenwärtige Forderung und ein Anspruch, dem sich jede Wissenschaft zu stellen hat. Die Probleme der modernen Welt lassen sich nicht mehr aus einer einzigen Fachperspektive verstehen und im besten Falle lösen. Die Ausdifferenzierung der Wissenschaft in immer detailliertere Spezialdisziplinen hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu einem unausweichlichen Erfordernis gemacht. Freilich ist eine solche Kooperation nur dann erfolgreich, wenn sie nicht auf Kosten einer grundsoliden Fachlichkeit geht. Leider ist das nicht immer der Fall, was in der Lehre schneller als in der Forschung zutage tritt. Von Studierenden werden im Zeitalter der modularisierten Studiengänge mitunter interdisziplinäre Transferleistungen verlangt, die ihre Dozierenden selbst kaum zu erbringen in der Lage sind. Das Ergebnis ist, dass von immer mehr immer weniger verstanden wird, weil das fachliche Handwerkszeug fehlt, von der Muße zur Vertiefung ganz zu schweigen. Ein fächerübergreifendes Gespräch hat nur dann einen Sinn, wenn die beteiligten Fächer zur fraglichen Sache substanziell Eigenes beizutragen haben. Sonst wird ein mehr oder weniger gut informiertes Feuilleton als Wissenschaft ausgegeben, ein Etikettenschwindel, bei dem bewusst oder unbewusst auf nachhaltigen Erkenntnisgewinn verzichtet wird.

Der Theologie ist die gemeinsame Bemühung ganz unterschiedlicher Disziplinen um ein und dieselbe Sache in besonderer Weise aufgegeben. Gerne wird übersehen, dass die Theologie mit ihren verschiedenen Fächern selbst eine universitas im Kleinen darstellt. Das heißt nicht, dass sie auf den Austausch mit anderen Fakultäten verzichten könnte. Aber im echten Sinne interdisziplinär arbeitet sie nicht erst dann, wenn z. B. ein Neutestamentler und ein Gräzist sich zusammentun, die über grundlegende Methoden rasch Einigkeit erzielen werden. Wenn die Theologie nicht nur außertheologische Zugänge zu ihren eigenen Gegenständen mehr schlecht als recht nachvollziehen will, muss sie das fächerübergreifende Gespräch gerade auch innerhalb der Theologie selbst pflegen und fördern, um exegetisch, historisch, systematisch und praxisbezogen arbeitende Theologen wieder ins Gespräch zu bringen. Was die Theologie als solche zusammenhält, ist die Bearbeitung all ihrer Themen sub ratione Dei. Das beinhaltet zwar auch den Bezug auf die je eigene Glaubenslehre, vor allem aber die hermeneutische Grundvoraussetzung, dass religiöse Überzeugungen überhaupt für wahrheitsfähig gehalten werden. Es geht in der Theologie nicht nur um Gottesvorstellungen, die auf die eine oder andere Weise analysiert werden, sondern um eine Betrachtung von Welt und Mensch etsi Deus daretur. Es versteht sich von selbst, dass eine solche Theologie nicht konfessionell verengt oder beschränkt auf die eigene Religion betrieben werden kann.

Die Theologische Quartalschrift bildet die ganze Bandbreite theologischer Forschung auf der Höhe der Zeit ab. Dieser Anspruch spiegelt sich auch im vorliegenden Heft wider. Aus dogmengeschichtlicher Perspektive zeigt Bernd Jochen Hilberath, „dass der Weg vom Absolutheitsanspruch der Kirche zum Dialog der Religionen“, wie er vom Zweiten Vatikanischen Konzil vorgezeichnet worden ist, „nicht als Kapitulation vor dem Zeitgeist, sondern als herausfordernde Besinnung auf die eigenen Grundlagen zu begreifen ist.“ Michael Theobald weist auf, wie Felix Mendelssohn Bartholdy diesbezüglich seiner Zeit voraus war, indem er in seinem Libretto zum „Elias“ die Figur des Propheten nicht einseitig christlich vereinnahmt, sondern für eine jüdische Leseweise offenhält. Bart J. Koet und Erik Sengers unterziehen die Aufgaben des Diakons einer kritischen Sichtung, fokussieren sie im Dienst der Vermittlung des Reiches Gottes – sei es pastoral in die Gemeinde hinein, sei es karitativ darüber hinaus – und verbinden dabei Kirche und Welt in einem integrativen Ansatz zur Ämtertheologie. In der Debatte um die Sterbehilfe unterscheidet Franz-Josef Bormann zwischen der Hilfe zum Sterben und der Hilfe beim Sterben; er verknüpft allgemein ethische Überlegungen mit einem Rekurs auf die christliche Anthropologie und ihre humanisierende Wirkung in den aktuellen Debatten. In all dem zeigt sich die Grenzen überschreitende, integrative Kraft theologischer Reflexion, die weit in alle Bereiche des menschlichen Lebens ausgreift, sie mit dem Glauben an Gott in Verbindung bringt und darin ganz bei ihrer Sache ist.

Wer die Theologische Quartalschrift kennt, wird sich vermutlich wundern, im Forum eine Predigt abgedruckt zu finden. Walter Groß, der sie anlässlich seines 50. Priesterjubiläums in St. Johannes in Tübingen gehalten hat, wurde aus dem Herausgeberkreis gebeten, sie an dieser Stelle zu publizieren, und er hat dieser Bitte erst nach einigem Zögern und trotz bleibender Bedenken entsprochen. Wer ihn kennt, weiß, dass ihm der wissenschaftliche Anspruch unserer Zeitschrift sehr am Herzen liegt. Für die Herausgeber überwog an dieser Stelle jedoch ein anderer Aspekt: Die Predigt von Walter Groß ist das beeindruckende Zeugnis eines Zeitgenossen der Konzilsereignisse, der aus eigenem Erleben auch an wichtige Etappen der Konzilsrezeption erinnern kann. Für die Nachgeborenen, zu denen ich selbst gehöre, werden solche Zeugnisse immer wichtiger, weil sie die Art und Weise, wie wir auch in Zukunft zeitgenössische Theologie als Wissenschaft betreiben, unmittelbar berühren.

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