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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/thq.2015.4.307-314
Hans Reinhard Seeliger
Beobachtungen zur Chronologie und Eschatologie. Martins von Tours
Zusammenfassung
Es gibt gute Gründe, das immer wieder diskutierte Geburtsjahr Martins von Tours (316/17 oder 336?) früh anzusetzen. Sie hängen mit antimilitaristischen bzw. pazifistischen Tendenzen im gallischen Christentum des späten 4. Jahrhunderts zusammen. In dieser Zeit vertrat Martin selbst eine ungewöhnlich drastische Endzeiterwartung, die zu seiner Sonderstellung als wenig angepasster Bischof weiter beitrug.

Abstract
There are good reasons for setting the year of birth of Martin of Tours, which has been discussed over and over again (316/17 or 336?), earlier rather than later. These have to do with anti-militaristic or pacifist tendencies in Gallic Christianity in the late 4th century. During this period Martin himself advocated an exceptionally drastic apocalyptic expectation which lent further support to his special position as a non-conformist bishop.

Schlüsselwörter – Keywords
Martin von Tours, homoeischer Streit, Pazifismus, Apokalyptik, Antichrist
Martin of Tours, homoeanism controversy, pacifism, apocalypticism, Antichrist

Die Gestalt Martins von Tours ist zweifellos eine für die Frömmigkeitsgeschichte des Mittelalters wichtige Figur ersten Ranges. Und doch ist Martin ein durch und durch spätantiker Mensch. Ganz deutlich ist er das als Mönch; als Bischof ist er eine Ausnahmegestalt, welche tief in die Problemgeschichte des 4. Jahrhunderts verwickelt und mit ihr verwoben ist.

Ganz allgemein gilt die Erkenntnis: Martinus von Tours ist historisch weitestgehend nur aus dem Blickwinkel des Sulpicius Severus wahrnehmbar. Es gibt zwar eine Inschrift vom ehemaligen Coemeterum der heiligen Gervasius und Protasius in Vienne, die Martins Tätigkeit als Täufer in der Zeit nach 386 belegt. Mehrfach wird Martinus in der Korrespondenz des Paulinus von Nola mit Sulpicius Severus erwähnt, doch sind diese Stellen bis auf eine, welche einen Aufenthalt Martins in Vienne belegt, der wohl mit der dortigen Inschrift in Zusammenhang steht, historisch wenig ergiebig. Immerhin erfahren wir so: Bischof Martinus hat in einer Zeit, als die Taufe noch an das Bischofsamt gebunden war, auch außerhalb seiner Diözese getauft.

Die Martinsschriften des Sulpicius Severus, die Hauptquelle zu Leben und Wirken des Mönchsbischof von Tours, verfolgen freilich durch und durch apologetische Intentionen: sie stilisieren Martinus zum summus sacerdos, der in allem apostelgleich war, sogar bis in die Schmähungen (convicia) hinein. Genau damit ist die Zielrichtung der Martinsschriften benannt, die Verherrlichung des Bischofs und seine Verteidigung: gegen den Neid und die Ignoranz des Klerus und der Bischöfe, gegen die Ablehnung durch sie, gegen andersdenkende Asketen, unter denen namentlich Hieronymus genannt werden kann, der kaum verhohlen die Mantelteilung Martins in seinem Jesaja-Kommentar mit spitzen Worten bedachte. Jesu Weisung laute: Wer zwei tunicae besitze, solle die zweite dem geben, der keine habe (Lk 3,11); nicht aber sei gesagt worden, man möge die eine zerschneiden und teilen, wie es viele aus Popularitätsgründen täten. Mit den „vielen“ (multi) ist hier natürlich der eine gemeint, von dem es bekannt war.

Für die Martinsschriften des Sulpicius Severus gilt ganz allgemein: Durch ihre verteidigende Stilisierung Martins hindurch muss man Rückschlüsse auf die Kritik an ihm ziehen, und erst im Lichte dieser Kritik und ihrer historischen Kontexte wird sein wirkliches Profil wahrnehmbar. [...]


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