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Aktuell zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Leseprobe 2
Wilfried Eisele
„Als wären sie von der Metzgerzunft“ (A. Stadler)
Vom theologischen Nutzen der historischen Kritik
Einleitung: „Mörder am Text“

„Abba und amen sollen die zwei einzigen authentischen Jesus-Worte sein. Es ist nach der Lesart der Evangelien durch diese Art von Exegeten und Leser der Heiligen Schrift, bei ihrem respektlosen Umgang mit einem Buch, das mehr als ein Buch ist, vom Wortlaut der Evangelien, von ihrer Schönheit und ihrem Schrecken, diesem mysterium tremendum et fascinosum, nichts übrig geblieben. Als wären sie von der Metzgerzunft.“ Dies ist nur eines in einer ganzen Reihe von vernichtenden Urteilen, die der theologisch versierte Schriftsteller Arnold Stadler in seinem Buch „Salvatore“ über die wissen schaftlichen Bemühungen der historisch-kritischen Exegese fällt. Zieht man einmal die Polemik ab, bleiben immer noch ernst zu nehmende Anfragen an die universitär etablierte Exegese, mit denen Stadler keineswegs allein dasteht. Fünfzig Jahre nach ihrer Anerkennung durch das Zweite Vatikanische Konzil ist der theologische Nutzen der historischen Kritik für ein angemessenes Verständnis der Heiligen Schrift zunehmend fragwürdig geworden. Nicht selten hört man den Vorwurf, die historischkritische Exegese lege nicht eigentlich den Bibeltext – und zwar als Glaubenszeugnis – aus, sondern benutze ihn nur als Vehikel zur Beantwortung ganz anders gearteter Fragen. Mit ihren Ergebnissen sei über die engen Fachgrenzen hinaus in Theologie und Kirche nichts anzufangen. So würden die modernen Exegeten zu einer „Art Mörder am Text“.

Ich nehme Stadlers Kritik zum Anlass für eine Reflexion auf die Arbeit der historischkritischen Exegese. Dabei gehe ich nicht streng systematisch vor und wage auch keine umfassende Positionsbestimmung der Exegese im Raum von Theologie und Kirche. Was folgt, ist lediglich der bescheidene Versuch, aus drei aktuellen Debatten um das rechte Verständnis von Texten etwas für unsere Aufgabe als Exegeten zu lernen und schließlich noch einen biblischen Autor um sein Resümee zu bitten. Dabei leitet mich die Frage, welcher theologische Nutzen von der historisch-kritischen Exegese zu Recht erwartet werden darf.

1. Künstlerische Debatte: Stadler, Balthasar und die Bibel

1.1 Die Wahrheit des Textes

Den angemessenen Umgang mit dem Bibeltext, den Stadler bei den Theologen vergeblich sucht, findet er beim italienischen Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini, namentlich in dessen poetisch kongenialer Verfilmung des Matthäusevangeliums. Was Pasolinis künstlerisches und dichterisches Schaffen vom Handwerk der Exegeten unterscheidet, verdichtet sich für Stadler am Begriff der historischen Authentizität:

„Bei ‚authentisch‘ schaltete ich ab. Mit diesem Terminus technicus hätte Pasolini ganz gewiss nichts anfangen können, denn seine Arbeit war nicht die eines sogenannten Wissenschaftlers (eher die eines Konkursverwalters oder Schrotthändlers), sondern – als Dichter – war er fasziniert vor allem von der Schönheit und Wahrheit eines Textes, eines Ganzen, das keinen Raum ließ, denselben wie ein Auto in einer Werkstatt auseinanderzunehmen. Ein Künstler muss sich, wie ein Gläubiger, gegen die Anmaßungen der sogenannten historisch-kritischen Theologen seit nunmehr zweihundert Jahren behaupten […].“

Stadlers Selbstbehauptung, sei es als Dichter oder als Gläubiger, scheint von der Annahme getragen, dass aus dem einmal Zerlegten nie mehr ein brauchbares Ganzes werden kann. Diese wird freilich durch ein anderes Filmbeispiel anschaulich widerlegt.  Don Camillo, inzwischen Monsignore im Vatikan, soll von seinem römischen Sekretär mit dem Auto dorthin zurückgebracht werden. Weil er die Abfahrt am nächsten Morgen unbedingt verhindern möchte, bittet er Peppone, den Wagen bei Nacht in seiner Werkstatt zu sabotieren. Daraufhin nimmt Peppone das Auto in viele Einzelteile auseinander und baut es wieder zusammen. Am nächsten Morgen bleibt es aber nicht etwa liegen, sondern läuft besser und ruhiger als je zuvor. Peppone hatte Don Camillo eins ausgewischt und den Wagen lediglich einer Generalüberholung unterzogen. [...]


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