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Ausgabe 2/2012


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Info zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Leseprobe 2
Massimo Faggioli
Die theologische Debatte um das Zweite Vatikanische Konzil · Ein Überblick
Erster Teil: 1962–1985
1. Deutungen des II. Vaticanums

1.1 Entgegengesetzte Extreme?

In den letzten Jahren haben die traditionalistischen Katholiken – von den „Sedisvakantisten“ (die behaupten, der Päpstliche Stuhl sei entweder seit dem Tode von Pius XII. im Jahr 1958 oder von Johannes XXIII. im Jahr 1963 vakant) bis zu den mehr gemäßigten Befürwortern der lateinischen Messe – immer vernehmlicher das Konzil mit Katastrophe und Chaos in der Kirche identifiziert. Ihr negatives Bild von den Ergebnissen der Liturgiereform ließe sich ohne Weiteres auf sämtliche wichtigen Aussagen des II. Vaticanums ausdehnen, ob Ekklesiologie, Ökumene, Religionsfreiheit oder Kirche und moderne Welt. Nun sieht es so aus, als stünde das Konzil ziemlich allein da, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass die Generation von Bischöfen und Theologen, die daran teilnahmen, von der Bühne verschwunden ist und die jüngere Generation von Katholiken nicht immer besonders interessiert scheint, die Botschaft zu verstehen, die das II. Vaticanum für die Zukunft der Kirche enthalten könnte. Doch diese Art, die Debatte um das Konzil im Sinne der „entgegengesetzten Extreme“ zu deuten, ist sicher irreführend, wenn wir die unterschiedlichen theologischen und kulturellen Wurzeln der Interpreten des II. Vaticanums bedenken.

1.2 Das II. Vaticanum, ein Reformkonzil

Im ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Konzils (8. Dezember 1965) tat sich so manches: In dieser Zeit erschienen zahlreiche Aufsätze und Bücher mit Titeln, die darauf anspielten, dass so etwas wie Reform im Gang war, „und beim Kongress der Zeitschrift Concilium, der 1970 in Brüssel stattfand, hieß das Losungswort für die Zukunft ‚jenseits des Konzils’“. Im selben Zeitraum war die große Mehrheit von Bischöfen und katholischen Theologen allerdings noch sehr damit beschäftigt, die Texte des II. Vaticanums zu kommentieren und anzuwenden. Und während die erste Welle von „Konzilstagebüchern“ aus der Feder von Theologen, Beobachtern und Journalisten rollte, wurde der erste große theologische Kommentar zum II. Vaticanum veröffentlicht und zum Meilenstein in der Geschichte der theologischen Interpretation des Konzils. Die Untersuchungen zu den wichtigsten Texten des II. Vaticanums zeigten, wie sehr sich die katholischen Theologen darauf konzentrierten, die Schlussdokumente des Konzils im Licht der Geschichte ebendieser Texte zu übersetzen und zu „entpacken“.

Diese Mehrheit, bestehend aus Repräsentanten einer „reformistischen“ Rezeption der Konzilstexte, ließ keineswegs jene „revolutionäre“ Einstellung erkennen, die ihr die kleine traditionalistische Minderheit vorwarf und die ihr heute neotraditionalistische katholische Bewegungen vorhalten. Einige der prominentesten Bischöfe und Theologen, die eine durchaus nicht radikale Interpretation des Konzils vertraten, riefen zu einer an den Konzilstexten orientierten Reform der Kirche auf. Ganz vorn in den reformerischen Intentionen rangierten die Vollendung der Liturgiereform, die Einführung der Kollegialität im Licht der neuen Ekklesiologie, die Einschränkung des Juridismus in der Kirche, die Reform der römischen Kurie, die Öffnung zur modernen Welt und die Intensivierung des ökumenischen Dialogs.

Wie Jahrhunderte zuvor beim Tridentinum, waren jetzt die ersten Reformer des konziliaren Katholizismus die Bischöfe des II. Vaticanums, die eigentliche treibende Kraft beim Konzil. Sie waren von Pius XI. und Pius XII. ernannt worden, hatten den Zweiten Weltkrieg und den kalten Krieg erlebt und fürchteten sich gewiss genauso wenig vor der Aufgabe, das Konzil in ihren Diözesen und in der Weltkirche zu implementieren, wie davor, mit Paul VI. darüber zu diskutieren, wie einige der heikelsten Aspekte des Konzils umzusetzen seien. In einem Interview mit Informations Catholiques Internationales wies Kardinal Léon-Joseph Suenens auf die Notwendigkeit echter Kollegialität in der Kirche hin und hob die Mängel der neuen Bischofssynode hervor. Wie Suenens arbeiteten katholische Bischöfe weltweit in ihren Diözesen und in den nationalen Bischofskonferenzen an der Rezeption des Konzils und stellten dabei nie in Frage, dass von den Texten des II. Vaticanums auszugehen war, wenn es galt, den Geist des Konzils zu verstehen und ihn zu einer Tradition der Kirche zu machen.

Welche Einstellung die Theologen des II. Vaticanums hatten, lässt sich sehr schön bei Yves Congar sehen. Er ist wahrscheinlich der wichtigste Theologe, wenn wir einen Einblick in den theologischen Hintergrund und das Werden der Konzilstexte gewinnen wollen. 1975 erklärte Congar anlässlich des zehnten Jahrestags des Konzilsendes, zwei Faktoren seien für die Rezeption des II. Vaticanums entscheidend: „Wir müssen (1) historische Sensibilität haben und (2) mit der Zeit rechnen, müssen ein Empfinden für den Abstand besitzen, den es braucht, um die Dinge zu verstehen, zu entwickeln, umzusetzen und reifen zulassen. Wir müssen uns selbst die Zeit geben, das II. Vaticanum zu verdauen. Ein Dittes Vatikanisches oder ein Zweites Jerusalemer Konzil? Nicht so bald!“ [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

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