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Editorial DOI: 10.14623/thq.2022.3.290–291
Laura Mössle / Thomas Buchschuster
Es ist an der Zeit, über Körper zu sprechen. Nicht nur in der gesellschaftlichen Wahrnehmung wird die Bedeutung des Körpers immer zentraler, auch in den Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften lässt sich ein Corporeal Turn verzeichnen, der den Körper als Diskursfläche verschiedener Überlegungen in den Mittelpunkt rückt. Auch aus theologischer Perspektive können Körper und Körperlichkeit Ausgangspunkt verschiedener Gedanken werden. Das vorliegende Heft unternimmt einen Versuch, die Thematik aus unterschiedlichen theologischen Disziplinen zu betrachten. Eine Besonderheit dieses Heftes liegt darin, dass es vom Akademischen Mittelbau der Katholisch- Theologischen Fakultät Tübingen konzipiert und gestaltet wurde. Gemeinsam konnten wir als Mittelbau den ‚Körper‘ zum Thema unseres Heftes machen, was allen die Möglichkeit bot, sich einzubringen, und gleichzeitig erforderte, über den Tellerrand der je eigenen Forschungsschwerpunkte hinauszublicken. Die meisten Beiträge sind daher Frucht der Zusammenarbeit interdisziplinärer Autor:innen-Teams, deren Mitglieder aus verschiedenen Perspektiven auf den gemeinsamen Untersuchungsgegenstand blicken.

Den Ausgangspunkt dieses Hefts bildet der Beitrag von Anna Viktoria Knorreck, Lukas Kösel, Stefan Metz und Daniel Wolfgarten: Dieser bietet eine theologische Begriffsgeschichte von ‚Körper‘ und ‚Leib‘ und zeigt, wie Körperverständnisse von Diskursen geprägt werden. Ausgehend von biblischen Anthropologien über Augustinus und die mittelhochdeutsche Sprachgeschichte bis hin zu gegenwärtigen Konzeptionen werden verschiedene Verständnisse von Körper analysiert. Unterschiedliche Vorstellungen und Begrifflichkeiten führen dazu, dass Theologie – insbesondere beim Thema Körper – die Spannung von Tradition und zeitgenössischer Anschlussfähigkeit aushalten muss.

Die zeitgenössischen philosophischen Diskurse zum Paradigma des ‚verkörperten Handelns‘ (embodied agency) stehen im Mittelpunkt des Beitrags von Thomas Buchschuster und Florian Funer. Sie gehen der Bedeutung des Körpers für das menschliche Handeln nach, indem sie gegenwärtige philosophische Deutungsversuche reflektieren und diese um eine motivationstheoretische Perspektive erweitern. Edeltraud Gaus, Simone Hiller, Julia Hofmann und Berenike Jochim-Buhl zeigen auf der Grundlage von Embodiment- und Doing-Ansätzen auf, welchen Stellenwert der Einbezug des Körpers für die Übernahme von Rollen besitzt. Ausgehend von der Bedeutung der Körperlichkeit von Prophet:innen für ihr prophetisches Handeln am Beispiel des Ezechiel-Buches geben sie religionsdidaktische Impulse für ein körpersensibles Handeln der Religionslehrperson.

Einen Vergleich ermächtigender Identitätskonstruktionsprozesse über körperbezogene Bildpraktiken nimmt der Beitrag von Valesca Baert-Knoll, Stefan Metz und Laura Mößle vor: Die vergleichende Analyse von Märtyrer:innen-Darstellungen im frühen Christentum und gegenwärtigen Bildpraktiken marginalisierter Körper in den sozialen Medien offenbart ähnliche Kommunikationsmodi. Der Beitrag zeigt, wie über eine kreative Ausgestaltung der Identitätskonstruktion Besonderheiten und Singularitäten innerhalb einer Gruppierung als ein doing group-singularity ausgestaltet werden können.

Magdalena Kopf, Lea Lerch und Katharina Zimmermann legen den Fokus auf die performative Aushandlung von Zugehörigkeit zu Kirche und Gesellschaft über Körperpraktiken und ihre Bedeutung für die systematische Theologie. Anhand historischer Beispiele wird einerseits die Bedeutung von körperlichen Praktiken als un/performing belonging, andererseits über Reckwitz’ Verständnis von Theorie als Praxis die Notwendigkeit aufgezeigt, sich mit diesen Praktiken systematisch-ekklesiologisch zu beschäftigen.

Wie körperliche bzw. leibliche Auferstehung bei Paulus verstanden wird, diskutiert Christian Gers-Uphaus anhand 1 Kor 15: Der Streit zwischen Paulus und den Korinthern offenbart ein paulinisches σῶμα-Verständnis, das das σῶμα notwendigerweise mit der menschlichen Existenz sowohl in diesem Leben als auch im Jenseits verbunden sieht. Eine wichtige Verbindungslinie zwischen allen Beiträgen scheint die Bedeutung des Körpers als Austragungsort identitärer Suchbewegungen zu sein. Das Selbstbild eines Menschen und sein Verhältnis zu anderen und Gott wird sichtbar in seinen körperlichen Vollzügen.

Dieses Editorial ist auch eine Danksagung: Wir möchten uns vielmals bei den Herausgebenden der Theologischen Quartalschrift für die Gelegenheit bedanken, das vorliegende Heft in größtmöglicher Freiheit zu gestalten. Besonders bedanken möchten wir uns bei Reinhold Boschki, der vonseiten der Herausgebenden unser Heft begleitete. Ebenso möchten wir uns bei den verschiedenen Professor:innen unserer Fakultät bedanken, die bei der Abfassung mehrerer Beiträge mit Rat und konstruktiver Kritik zur Seite standen.

Laura Mößle, Mittelbausprecherin der Katholisch-Theologischen Fakultät
Thomas Buchschuster, Heftkoordinator

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