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Aktuell zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Leseprobe 3
Peter Hünermann
Kriterien für die Rezeption des II. Vatikanischen Konzils

I. Einleitung

Das II. Vatikanische Konzil stellt in vielfältiger Hinsicht ein Unikum unter den Konzilien dar: hinsichtlich des puren Umfangs seiner Dokumente, der Umfassendheit seiner Themenstellung, der Adressaten – es werden nicht nur katholische Christen, sondern immer wieder alle Menschen angesprochen –, der Zahl seiner teilnehmenden Konzilsväter und ihrer Repräsentativität für die unterschiedlichen Kontinente und Kulturen sowie seiner Aufgabenstellung. Dieser zuletzt genannte Punkt wäre als letzter zugleich als erster zu nennen. Die Aufgabenstellung wird charakterisiert durch vier Stichworte, die aufs Engste zusammenhängen: erstes Stichwort: »Aggiornamento«, zweites Stichwort: »Neues Pfingsten«, drittes Stichwort: »Den Glauben neu sagen«, viertes Stichwort: »Ein pastorales Konzil«. Die in diesen Stichworten angesprochene Ausrichtung des Konzils ist in einer Reihe ausgezeichneter theologischer Untersuchungen erörtert worden. Ich berufe mich hier darauf, ohne diese Stichworte näher zu entfalten.

Die Arbeitsweise des Konzils ist gleichfalls außergewöhnlich im Blick auf vorangegangene Konzilien: Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass man sich erneut den maßstäblichen Glaubenszeugnissen in Schrift und Tradition zuwendet, und zwar der ganzen Breite der Tradition, von den anfänglichen Zeugnissen und der Patristik bis zu den jüngsten Verlautbarungen der Päpste, etwa den Enzykliken Pius XII. Wie soll dieses außergewöhnliche Konzil von der Kirche, der Gemeinschaft der Glaubenden, rezipiert werden? Rezipieren meint Aneignen. Aneignen meint nicht: in seinen Besitz bringen – das geht nur mit Geld, mit Informationen, mit irgendwelchen Sachen. Aneignen, so dass es zum Eigenen wird, das Selbst prägt, das geht nur, indem man sich in die Schuhe des Anderen stellt. Die Schuhe des Anderen: Wo steht das Konzil? Wovon nimmt es Abschied, wohin bricht es auf? Eine schwierige Frage. Aber nur von hier aus ergeben sich die Kriterien für die Rezeption.

Weniger bildhaft formuliert: Was sind die inneren und zugleich manifesten Referenzpunkte, die das Konzil bestimmen? Die Aufgabenstellung des Konzils ist ja dermaßen weit, dass sich die Frage förmlich aufdrängt: Wie kommt bei solch einer Aufgabenstellung durch eine so große Zahl von Teilnehmern aus unterschiedlichen Kulturen ein Corpus von Dokumenten zustande, das in sich eine hohe Konsistenz aufweist, eine starke Verzahnung der verschiedenen Dokumente in Bezug auf die unterschiedlichsten theologischen Probleme, das zu Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen, zu Christen und Nicht-Christen spricht? Diese Referenzpunkte, welche Standort und Aufbruch des Konzils bestimmen, bilden die Antwort auf die Frage nach den Kriterien für die Aneignung, die Rezeption des Konzils. Lassen sich solche Referenzpunkte bestimmen?

Diese Referenzpunkte sind m. E. vier eindeutig zu benennende Punkte, die in sich eine doppelte Struktur haben: Es sind geschichtliche, konkrete Orte, von denen Abschied genommen und von wo aus in die Zukunft aufgebrochen wird. Diese Orte des Abschieds wie des Aufbruchs in die Zukunft werden in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils deutlich signalisiert. Es wird damit deutlich demonstriert, was »aggiornamento « bedeutet: »Aggiornamento« umschließt eine Differenzierung zwischen dem, was gestern war, und dem, was heute angesagt ist. Abschied und Aufbruch sind die zwei Seiten des »aggiornamento«. Wie sind diese vier Punkte des Abschieds und des Aufbruchs zu bestimmen? Ich nenne in einem schnellen Durchgang diese vier Punkte, um sie dann jeweils einzeln näher zu charakterisieren. In einer Schlussreflexion sollen die methodischen Implikationen benannt und begründet werden. Es ergeben sich daraus Fragen und Folgerungen für die Rezeption des Konzils.

1. Abschied wird genommen von 1500 Jahren Staatskirchentum. Das deutliche Signal des Aufbruchs stellt Dignitatis humanae dar.

2. Es wird Abschied genommen von der tausendjährigen Spaltung in Ost- und Westkirche. Das deutliche Signal des Aufbruchs findet sich ebenso in Orientalium ecclesiarum wie in Unitatis redintegratio.

3. Es wird Abschied genommen von 500 Jahren Spaltung der Kirche im Westen. Das deutliche Signal des Aufbruchs findet sich in Unitatis redintegratio.

4. Es wird Abschied genommen von rund einem Jahrhundert des Zögerns der Kirche an der Schwelle zur Moderne, repräsentiert durch das I. Vatikanische Konzil. Das Signal des Aufbruchs dafür findet sich in Gaudium et spes.

Wenn im folgenden Abschnitt die vier genannten Ausgangspunkte mit ihrer doppelten Funktion des Abschieds und des Aufbruchs charakterisiert werden, so stellt dies vor die Herausforderung zu klären, wie von diesen Punkten des Abschieds und des Aufbruchs her jeweils eine spezifisch profilierte geschichtliche Gestalt des Glaubens und des kirchlichen Lebens verabschiedet wird und wie durch die Arbeit des II. Vatikanischen Konzils die Umrisse einer Neuprofilierung des Glaubens, der Lebensformen der Kirche vorgegeben werden. Es zeichnen sich die Umrisse einer modernen Gestalt des Glaubens und der kirchlichen Lebensverhältnisse ab. So wird deutlich, inwieweit von solchen Punkten her dem Auftrag an die Konzilsväter entsprochen wird, den Glauben neu und vor allen Menschen zu sagen, um so mitzuwirken an einem neuen Pfingsten, das heißt einer geistgetragenen Neupositionierung des Glaubens und des Lebens aus dem Glauben. Zugleich wird damit der Herausforderung entsprochen, der mit der Sendung gegebenen Verantwortung nachzukommen, welche der Gemeinschaft der Glaubenden, der Kirche von Jesus Christus, ihrem einzigen Hirten, aufgetragen ist. Das Konzil erweist sich so als pastorales Konzil.

II. Zu den einzelnen Ausgangspunkten

1. Abschied von eintausendfünfhundert Jahren Staatskirchentum – das Signal des Aufbruchs: Dignitatis humanae

Was bedeuten 1500 Jahre Staatskirchentum, von der konstantinischen Wende bis zum schrittweise auslaufenden Staatskirchentum in der Zeit von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bis zum Ende des Franco-Regimes? Dieses Staatskirchentum, in seinen zahlreichen Spielarten war für den Glauben und das Leben der Kirche nicht einfach etwas Äußerliches. Es hat das Glaubensverständnis und die Lebensformen der Ortskirchen und der Kirche im Ganzen geprägt.

Grundzüge der verabschiedeten Gestalt des Glaubens
– Ein erster Grundzug: Staatskirchentum bringt von selbst eine grundlegende Identifikation der Ordnung des Glaubens und der Kirche mit der staatlichen oder imperialen öffentlichen Rechtsordnung mit sich.

[...]


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