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Aktuell zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Leseprobe 3
Albert Biesinger
Jesus und die Kinder

Glosse

In der Seelsorgeeinheit St. Luzius in Hechingen feiern zwei Mal im Monat am Sonntag 250 Kinder und ihre Eltern in der Kinderkirche »LUKI« Eucharistie – gleichzeitig liturgisch adäquat dem Ritus folgend sowie kind-, familien- und erwachsenengerecht. Wie das möglich ist? Der »Sonntagvormittag mit LUKI« beginnt um 10 Uhr im Gemeindehaus. Dort treffen sich verschiedene Kindergruppen und ihre Leiterinnen und Leiter zu einer Spielstraße mit verschiedenen Angeboten. Ich komme dazu, um die Situation wahrzunehmen und religionspädagogisch zu reflektieren.



»Haben Sie schon eingecheckt?« – am Eingang liegen Anstecker mit den Namen der Kinder und Leiterinnen und Leiter. Die dahinter stehende Symbolik: Du bist hier wichtig, du wirst erwartet. Du bist hier willkommen. Das Gemeindehaus ist voller Gruppen auf allen drei Stockwerken: Kommunionkindergruppen, Gruppen von Kindern, die im letzten Jahr zur Erstkommunion gegangen sind, Kindergartengruppen… Sie haben in der Mitte ein Symbol, ein Bild. Sie wirken konzentriert.

Ein Stockwerk höher trifft sich das Leitungsteam der Gemeinde zum gemeinsamen Gebet. Sich öffnen und begleiten lassen vom Heiligen Geist.

10.30 Uhr, ich gehe hinüber in die »große« Kirche. Vorne rechts im Kirchenschiff ist eine große Leinwand: »Wir begrüßen euch zur schönsten Stunde der Woche.« Die Eucharistiefeier als schönste Stunde der Woche – das ist eine komplett andere Botschaft als: langweilig, ich verstehe nichts, hat mit mir nichts zu tun, will ich nicht mehr hingehen. Der vordere Teil der Kirche bleibt nicht lange leer. Die Kinder ziehen aus dem Gemeindezentrum in Gruppen in die Kirche ein: leise, konzentriert, andächtig. Doch plötzlich schreien sie im Chor: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 – dann absolute Stille, vorne eine Klingel. Der Pfarrer zieht mit zehn Ministrantinnen und Ministranten ein und beginnt mit dem liturgischen Gruß die Eucharistiefeier.

Dieser Pfarrer ist keineswegs ein »liturgischer Chaot«, der sein eigenes Hochgebet formuliert oder anderweitig willkürlich die Grundstruktur der Eucharistiefeier verändert. Die Eucharistiefeier beginnt mit dem Bußakt. Auf der großen Leinwand vorne wird jeder Schritt transparent gemacht: Die Lieder und Gebete werde im Volltext abgebildet. Diese Gemeinde geht davon aus, dass jeden Sonntag auch Menschen hinzukommen, die schon lange nicht mehr bei einer Eucharistiefeier waren oder sogar zum ersten Mal kommen.

Der Predigt für die Erwachsenen, die der Pfarrer hält, geht die Predigt für die Kinder voraus. Die Pastoralreferentin sucht in der Rolle des Detektivs »Agent 01-12« nach Matthäus. Nach kurzer Zeit hat sie mit den Kindern erschlossen, wie sich Matthäus schreibt, es geht um die Berufung von Matthäus, dem Zöllner. Was heißt das, wenn Jesus ruft? Warum ruft er gerade diesen Zöllner? Was wäre gewesen, wenn Matthäus »nein« gesagt hätte? Und wie ist es mit uns, sagen wir auf den Ruf von Jesus »ja« oder »nein«?

Viele Kinder beteiligen sich am Gespräch.

Danach gehen sie in ihren Gruppen ins Gemeindehaus zurück. Andächtig und geordnet vertiefen sie diese biblische Botschaft altersgemäß und im Blick auf ihre eigenen Themen.

Der Pfarrer kommt währenddessen in die Mitte der Kirche – der vordere Teil ist ja jetzt wieder ganz leer, weil die Kinder im Gemeindezentrum sind. Er liest das Sonntagsevangelium, begleitet von den Ministranten mit Leuchtern. Die Predigt für uns Erwachsene ist präzise und hat mir einige elementare Gedanken mit in die Woche gegeben.

Vor dem Hochgebet kommen die Kommunionkinder des letzten Jahrganges herein. Sie sollen ja logischerweise mitfeiern. Die anderen Kinder kommen zum »Vater unser« zurück. Viele Kommunionhelferinnen und -helfer teilen das eucharistische Brot aus und segnen die Kinder einzeln.

Am Ende des Gottesdienstes erscheint auf der großen Leinwand: »Wir danken, dass ihr mit uns gefeiert habt und wir laden euch wieder ein am 23. Oktober zur schönsten Stunde der Woche.«

Beim Hinausgehen sehe ich viele fröhliche und glückliche Gesichter. Viele junge Eltern, die ich aus meiner Erfahrung nicht von vornherein zum Milieu der Sonntagskirchgängerinnen und -kirchgänger rechnen würde …

Als Religionspädagoge reflektiere ich: Hier wird dieselbe Eucharistiefeier gefeiert, die in den Gemeinden im Umkreis in der Regel mit ganz wenigen Kindern und jungen Eltern stattfindet. In meist insgesamt immer leerer werdenden Kirchen… Was ist das Kriterium dafür, dass es in Hechingen anders läuft?

Ganz offensichtlich ist es eine andere Qualität der Kommunikation, sowohl in der Vorbereitung als auch in der konkreten Realisierung der Liturgie. Die Kinder sind Subjekte der Liturgie und ihrer katechetischen Gruppen. Es ist eine Atmosphäre von Zugehörigkeit und emotionaler Wärme entstanden. Die Kinder erleben Kirche als Gemeinschaft, sie treffen andere Kinder, mit denen sie gemeinsam beten und feiern können.

Die Differenzierung der Predigt in einerseits Kinder- und dann tatsächlich Erwachsenenniveau für Eltern und Großeltern, aber auch Singles und Paare, gibt Heimat und Impulse und widerlegt den Vorbehalt, dass Gottesdienste mit Kindern »kindertümelnd« seien.
Stellt man diese liturgische Konzeption in den größeren biblischen Kontext, dann gilt mit Mk 10,15: »Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.« Diese Botschaft Jesu gilt auch für heute. Es kann nicht sein, dass Gottesdienste so gefeiert werden, dass Kinder abgeschreckt sind, dass ihnen langweilig ist und dass sie in keiner Weise angesprochen sind. Jesus würde beim Blick auf die Kommunikation mit ihm in vielen Gottesdiensten auch heute »zornig«, er könnte vielen sagen: »Ihr lasst die Kinder ja gar nicht zu mir kommen, ihr wehrt sie ab durch eure Art von Kommunikation. Bei euch müssen Kinder die ganze Zeit ruhig sein; eigentlich sind sie nicht willkommen. Ihr würdigt Kinder ja gar nicht als Kinder, sondern kommuniziert mit ihnen, wie wenn sie kleine Erwachsene wären. « Auch aus der Perspektive der Entwicklungspsychologie ist es unsinnig, von Kindern das Glaubensverständnis von Erwachsenen zu verlangen.

Das Direktorium für Kindermessen hat diese Problematik bereits vor einiger Zeit erkannt [vgl. hierfür und für die folgenden Zitate: Kongregation für den Gottesdienst, Direktorium für Kindermessen (1. November 1973), in: H. Rennings u. a. (Hrsg.), Dokumente zur Erneuerung der Liturgie. Bd. I: Dokumente des Apostolischen Stuhls 1963–1973, Kevelaer 1983, 1305–1322]: »Für die kirchliche Unterweisung der Kinder liegt eine besondere Schwierigkeit darin, dass die gottesdienstlichen Feiern – vor allem auch der Eucharistie – die ihnen innewohnende pädagogische Wirksamkeit für die Kinder nicht voll entfalten können. (… Es) sind doch die Worte und Zeichen der Fassungskraft der Kinder nicht genügend angepasst. (… Es) wäre eine Beeinträchtigung ihrer religiösen Entwicklung zu befürchten, wenn den Kindern Jahre hindurch im Gottesdienst immer nur Unverständliches begegnete. Die moderne Psychologie hat aufgewiesen, wie nachhaltig sich die religiösen Erfahrungen des Kleinkindes und der frühen Kindheit auf Grund der religiösen Offenheit dieser Phasen auswirken« (Nr. 2). [...]


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