Herzlich willkommen bei ThQ – die theologische Quartalschrift aus Tübingen
Unsere aktuelle Doppelausgabe 3-4/2026
zum Themenheft »Die Bedeutung von Emotionen für theologische Diskurse und für die religiöse Praxis« mit folgenden ausgewählten Beiträgen:
Editorial
Thomas Jürgasch / Stephan Winter
„Emotional“ ist ein positiv bewertendes Grundwort für den medialen Austausch über Erfahrungen geworden. Das gilt auch im religiösen Bereich: Bewirbt und entfaltet er sich emotional, findet er Zuspruch. Die durch Emotion erzeugte Bindung ist jedoch oft flüssig, veränderlich und konkurrierenden Emotionen ausgesetzt. Emotion hat mit „Motion“, also mit Bewegung zu tun: Sie setzt in Bewegung, aber sie bleibt in Bewegung und darin finden Menschen oft keinen festen Halt mehr. Sie bleiben aber auf der Suche. Das gilt auch für ihre Nachfrage in der Religion.
Eine Verteidigung temperierten Glaubens und religiöser Ambiguitätstoleranz
Gefühlte Religion
Wenn man unvoreingenommen auf die Weltlage der Religionen blickt, wird man deren schwindende Bedeutung kaum übersehen. Die neueste deutschsprachige soziologische Studie über deren Entwicklung kommt um die Feststellung nicht herum, dass sogar in Ländern wie Polen oder dem Iran die Strahlkraft der Religion deutlich nachgelassen hat. Man braucht diesen Befund nicht unbedingt als eine Bestätigung der Säkularisierungsthese zu lesen. Entgegen den vor allem medial vermittelten Anzeichen einer robusten Regenerierung von Religion kann aber von einer Umkehrung der mit jener These assoziierten Entwicklung jedenfalls kaum die Rede sein.
Die ethische Relevanz rettender und verstörender Geschichten
Die Berührung durch Emotionen und deren künstlerische Umsetzung
Der Film ist ein besonderes Mittel der berührenden Erzählung. Alexander Kluge:
„Ich glaube, dass alles, was in unserer Welt bewirkt wird, was sich bewegt, letztlich von Gefühlen bewegt wird, dass sie aber keine institutionelle Macht haben. ‚Sie sind überall, man sieht sie nur nicht‘. Als ich mit meinen Arbeiten zur ‚Macht der Gefühle‘ anfing, war ich in keinem rationalen Zustand. Ich habe mir nicht gesagt, jetzt habe ich ein Thema und jetzt werde ich dieses Thema verfilmen, sondern mich hat es gepackt, zu beobachten, ‚wie sich Gefühle bewegen‘. Das Motiv, dass meine Mutter gestorben ist, und dass ich, ‚wie Gefühle sich bewegen‘, eigentlich von ihr gelernt habe, und wie sie gestorben ist, habe ich bis heute nicht richtig verarbeitet.
Eine praxeologische Perspektive auf Emotionen im Religionsunterricht
1. Hinführung
Emotionen sind aus Unterrichtsprozessen kaum wegzudenken. Sie prägen die Unterrichtsinteraktion und werden in Gruppenarbeitsphasen, Bewertungssituationen oder bei der Auseinandersetzung mit Unterrichtsinhalten besonders sichtbar.
Dies gilt selbstverständlich auch für den Religionsunterricht. Kompetenzorientierte religiöse Bildung zielt darauf, Emotionen im Religionsunterricht wahrzunehmen und zu gestalten. Hinzu tritt die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie Krisen, Kriegen oder dem Zusammenleben in religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaften, die im Religionsunterricht kontrovers diskutiert werden und emotionale Reaktionen hervorrufen können.