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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/thq.2026.1.29–46
Georg Koridze
Die epistemologische Zäsur innerhalb der quinque viae
Relationalität versus absolute Namensgebung
Zusammenfassung
Der verbreitete Einwand, die Fünf Wege erreichten nicht den christlichen Gott – auch das Gap-Problem genannt –, übergeht einen Kernpunkt: Thomas’ Namentheorie (I Sent., d. 22, q. 1, a. 2; STh I q. 13) unterscheidet absolute Namen (bonum, ens, nobile), die Gott wesenhaft zukommen, von relativen Namen (creator, prima causa, motor immobilis), die nur uneigentlich und beziehungsweise gelten. Die ersten drei Wege enden bei relativen Namen, die letzten beiden bei absoluten. Der vorliegende Artikel will zeigen, dass der Übergang vom Relativen zum Absoluten philosophisch nicht zwingend ist – er setzt die theologische Annahme voraus, dass der letzte Grund mit der Fülle des Guten und Intelligenten identisch ist. Thomas lässt die Gap-Problematik mit Einschränkung des Gültigkeitsbereichs der letzten zwei Denkwege nicht aufkommen und bringt zugleich ihre Unmöglichkeit für die jüdische und islamische Philosophie in Anschlag. 

Abstract
The common objection that the Five Ways do not reach the Christian God (also known as the gap problem) overlooks a key point: Thomas’ theory of names (I Sent., d. 22, q. 1, a. 2; STh I q. 13) distinguishes between absolute names (bonum, ens, nobile), which belong to God in essence, and relative names (creator, prima causa, motor immobilis), which only apply to God in an inessential way. The first three ways end with relative names, the last two with absolute names. This article aims to show that the transition from the relative to the absolute is not philosophically compelling – it presupposes the theological assumption that the ultimate reason is identical with the fullness of goodness and intelligence. Thomas avoids the gap problem by limiting the scope of the last two ways and at the same time incorporates their impossibility for Jewish and Islamic philosophy.

Schlüsselwörter/Keywords

Namentheorie; Gap-Problematik; Argumentationsmuster; die Voraussetzungen der natürlichen Theologie; jüdische Philosophie; islamische Philosophie.
Theory of names; gap problem; argumentative patterns; presuppositions of natural theology; Jewish philosophy; Islamic philosophy. 


1. Die Arbeitsthese

Im dritten Artikel der zweiten quaestio des ersten Teils der Summa theologiae präsentiert Thomas von Aquin die quinque viae als fünf aposteriorische Denkwege zur Erkenntnis der Existenz Gottes. Auf den ersten Blick scheinen diese fünf Argumente eine einheitliche methodische Linie zu verfolgen. Bei genauer Analyse der logischen Struktur und der Art der Gottesprädikation treten zwei Verdachtsmomente zutage: 
  1. eine epistemologische Zäsur zwischen den ersten drei und den letzten beiden Wegen;
  2. eine stufenweise Verschiebung der semantischen Beweisebene, die sich in den Schlusssätzen der einzelnen Beweisgänge sukzessive vollzieht. 
Die folgende Abhandlung befasst sich mit dem ersten davon. Es handelt sich dabei um eine Zäsur, die erst durch die thomistische Lehre von den göttlichen Namen (de divinis nominibus) angemessen erklärt werden kann und deren verdeckter Grund noch aufzufinden gilt.

Der Verdacht besteht darin, dass die behauptete, methodisch gleichartige Einheit der fünf Wege keineswegs gewahrt bleibt und ihr eigentliches Beweisziel neubestimmt werden soll: Erbringen sämtliche viae metaphysisch – und zwar rein vernunftimmanent, ohne Rückgriff auf außerphilosophische Prinzipien – den Nachweis der Existenz Gottes im strengen Sinn? Und selbst wenn man dies zugestände: In welchem Verhältnis stünde ein solcher philosophisch erschlossener Gott zum Gott der christlichen Offenbarung? Diese kontrovers diskutierte Fragestellung wird in der aktuellen Thomas- Fachliteratur als Gap-Problematik thematisiert. Die Verifizierung der Arbeitsthese führt zugleich zur Klärung dieses Problems.

Im vierten Weg führt Thomas den Beweisgang aufgrund der unterschiedlichen Stufen von in der Wirklichkeit vorhandenen Eigenschaften und argumentiert dahingehend, dass es etwas geben müsse, das allen Wesen Ursache von Sein, Güte und Vollkommenheit ist, und dieses Prinzip bezeichnet er anschließend als Gott. Dabei geht es nicht nur um ein Maximum innerhalb einer Gattung, sondern um eine Ursache, die das Sein und die Vollkommenheit aller Dinge begründet. Auf diese Weise überschreitet Thomas die aristotelische Philosophie und formuliert eine Ontologie, der theologische Annahmen bzw. Glaubensinhalte zugrunde liegen. 

Der fünfte Weg stützt die Gottesexistenz auf die Zielgerichtetheit der natürlichen Dinge. Thomas schließt daraus, dass ein intelligentes Wesen existieren müsse, durch das alle Prozesse in der Natur auf ein Ziel hin geordnet werden. Auch dieses Prinzip wird als Gott bezeichnet. Problematisch ist, dass hier aus der Zielgerichtetheit unmittelbar auf ein intelligentes ordnendes Prinzip geschlossen wird. Das Prädikat „intelligens“ überschreitet die Funktion einer Finalursache, wodurch auch diese Argumentation nicht neutral-metaphysisch, sondern bereits theologisch aufgeladen ist. 
[...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

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