Theologische Quartalschrift - Startseite
Startseite » Aktuelle Ausgabe » Editorial
aktuelle
Ausgabe 1/2026


Titelcover der aktuellen Ausgabe 1/2026 - klicken Sie für eine größere Ansicht


Jahresverzeichnis 2025


Aktuelles Jahresverzeichnis


Jahresverzeichnis 2025
als PDF PDF.



Wir über uns

Unsere Schwerpunkte und Akzente finden Sie hier.


Die Schriftleitung


stellt sich hier vor.


Suche in Artikeln

Editorial DOI: 10.14623/thq.2026.1.2–4
Georg Koridze / Stephan Winter / Thomas Jürgasch
Das achthundertste Geburtsjahr des Thomas von Aquin lädt ein zu der Frage, welche Herausforderungen der gegenwärtigen Theologie und Philosophie er auch heute noch – oder erneut – tragfähig zu erhellen vermag.
Die Beiträge dieses Themenheftes „Thomas von Aquin: Eine Nachlese zum Thomas- Jahr“ verdanken sich einer solchen Frage. Die thematische Auswahl war dabei bewusst nicht eng gefasst, sondern weit gespannt – und gerade deshalb anspruchsvoll. Jede und jeder der Autorinnen und Autoren traf seine Wahl aus einer Fülle möglicher Zugänge, die Thomas von Aquins Werk für unsere Zeit noch immer bereithält. Denn er erscheint dabei nicht als bloßer Hüter überlieferter Tradition, sondern als schöpferischer Gestalter, der scheinbar disparate Denkfiguren zu einer eigenständigen, bis heute erhellenden Synthese fügt. 

Wie fruchtbar und gegenwärtig sich diese Synthesekraft im Einzelnen erweist, zeigen die folgenden Studien exemplarisch. So widmet sich der erste Beitrag „Wahrsein als adaequatio. Zur Stellung des Thomas von Aquin in der Diskussionsgeschichte des Wahrheitsbegriffs“ von Rolf Schönberger der klassischen Adäquationstheorie der Wahrheit. Gegen Einwände, die entweder einen unzulässigen „Vergleich von oben“ unterstellen oder Adäquatheit selbst für unmöglich erklären, entfaltet er aus den Texten des Thomas die tragenden Strukturen des Wahrheitsverhältnisses: Ähnlichkeit bei bleibender Differenz, intentionale Gerichtetheit des Intellekts und ein unaufgebbarer Wahrheitsanspruch. Wahrheit setzt damit bestimmten Gehalt voraus, ohne in erkenntnistheoretische Zirkel zu geraten. Zugleich erweist sich der aquinatische Ansatz als souverän integrativ – von Aristoteles über Augustinus bis Avicenna.

Der Beitrag „Die epistemologische Zäsur innerhalb der quinque viae. Relationalität versus absolute Namensgebung“ von Georg Koridze beleuchtet die sogenannte Gap- Problematik der Gottesbeweise. Anhand der thomasischen Unterscheidung absoluter und relativer Gottesnamen zeigt er, dass die Fünf Wege keineswegs in einer defizitären Gottesbestimmung enden, sondern je eigene Aussagedimensionen erschließen. Der Schritt vom relativen zum absoluten Prädikat ist philosophisch nicht zwingend, sondern theologisch gerahmt – und justiert so das Verhältnis von metaphysischer Letztbegründung und personalem Gottesverständnis neu.

Der Beitrag „Die Analogielehre des Thomas von Aquin und ihre Anknüpfungspunkte im Feld einer pluralistischen Theologie“ von Julian Donatus Schuler erkundet die Analogielehre des Aquinaten als königlichen Mittelweg zwischen Univokation und Äquivokation. Da Thomas kein geschlossenes Traktat hinterlassen hat, treten Spannungen zwischen Attributions- und Proportionalitätsanalogie offen zutage. Im Gespräch mit zeitgenössischen Denkern wie David Tracy wird deutlich: Analogie ist kein bloß historisches Relikt, sondern ein methodischer Schlüssel – sie ermöglicht eine Rede von Gott, die Transzendenz wahrt und zugleich in pluralen Welten Verständigung stiftet. Im nächsten Beitrag „Ist das Bild der Trinität trinitarisch? Auffassungen von Augustinus und Thomas von Aquin“ vergleicht Jana Ilnicka die trinitarische Anthropologie bei Augustinus und Thomas. Während Augustinus psychologische Triaden als statische Abbilder der göttlichen Dreiheit liest, verortet Thomas die Analogie in der lebendigen Dynamik geistiger Akte des Erkennens und Liebens und betont die unaufhebbare Einheit des Subjekts. Einheit und Dreiheit werden so nicht durch Teilung, sondern durch relationale Vollzüge vermittelt.

Im vorletzten Beitrag „Wahre Selbsterkenntnis oder Ausdruck von Arroganz? Das aristotelische Konzept der Großgesinntheit (megalopsychia) im Spiegel seiner Rezeption durch Thomas von Aquin“ widmet sich Martina Roesner der Großgesinntheit – ‚magnanimitas‘ –, einer besonderen Bestimmung innerhalb der aristotelischen Ethik. Bei Aristoteles erscheint die ‚megalopsychia‘ als selbstgewisses Bewusstsein eigener sittlicher Größe; Thomas verwandelt sie in einen affektiven Aufschwung zu den höchsten Gütern und ordnet sie teleologisch auf die ‚visio beatifica‘ hin. Das Ideal menschlicher Vollendung wandelt sich damit von immanenter Selbstvergewisserung zu transzendenter Ausrichtung.

Der abschließende Beitrag „Scala virtutum. Das plotinisch-macrobianische Tugendschema als philosophische Erweiterung der thomasischen Ethik“ von Kyu Hee Park und Matthias Perkams zeichnet die Wanderung der neuplatonischen Lehre von den vier Tugendstufen nach – von Plotin über Macrobius bis zu Thomas. In der Integration der ‚scala virtutum‘ verschmilzt aristotelische Tugendethik mit neuplatonischer Aufstiegsmetaphysik und christlicher Heilsordnung. Auch hier bewährt sich Thomas als Meister der Vermittlung: Er übernimmt nicht eklektisch, sondern transformiert systematisch.

In ihrer Gesamtschau offenbaren die Beiträge eine im thomasischen Denken stets präsente Gesetzmäßigkeit: die sich im Doppelschritt entfaltende Denkbewegung von Unterscheidung und Vermittlung. Wahrheit und Erkenntnis, Relatives und Absolutes, Einheit und Dreiheit, Selbstvollendung und Transzendenz – nirgends werden Spannungen eingeebnet, sondern begrifflich durchdrungen und in ein gestuftes, harmonisches Ordnungsgefüge gebracht. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Printausgabe.

Zurück zur Startseite

Abonnements


Abonnements

Sie haben die Wahl ...

weitere Infos zu unseren Abonnements


Anzeigen


Mit Anzeigen und Inseraten erreichen Sie Ihre Zielgruppe. Anzeige aufgeben


Unsere Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Theologische Quartalschrift
Telefon: +49 (0) 711 44 06-140 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | AGB | Datenschutz | Impressum | Barrierefreiheit