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Ausgabe 2/2022


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Info zur Ausgabe 3/2021

Der Herausgeberkreis der ThQ hat mehrheitlich beschlossen, zwei angefragte Beiträge zum Frauenforum des Synodalen Weges für das Heft 3/2021 nicht aufzunehmen, nachdem der eine Beitrag von der Autorin Johanna Rahner zurückgezogen wurde. Sie sieht die gegenwärtige Diskussionslage um Frauen in durch Ordination übertragenen Ämtern als zu verfahren, als dass eine konstruktive theologische Debatte möglich wäre. Die Debatte wird darüber hinaus sehr stark personalisiert. Der Kreis der Herausgeber hat daraufhin auch den zweiten Beitrag, der von Helmut Hoping verfasst werden sollte, abgesagt. Beide Beiträge können in den Augen der Herausgeber als kontroverse Diskussionsbeiträge sinnvoller Weise nur zusammen oder eben gar nicht publiziert werden. Es wurde beschlossen, die Lücke stehen zu lassen und nicht durch Ersatzbeiträge aufzufüllen.


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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/thq.2022.2.243–253
Ina Kerner
3. „Verunsicherte Solidaritäten“: Postkoloniale Ressourcen des Feminismus und der Bibelwissenschaften
Den Zeitläufen Rechnung tragen
Für eine religionskritische Wende im postsäkularen Feminismus
Kennen Sie folgenden Witz? Stehen zwei Bischöfe vor einem Altar. Sagt der eine: „Meinst Du, wir erleben noch das Ende des Zölibats?“ Erwidert der andere: „Wir nicht, aber unsere Kinder.“ Oder diesen hier? Eine Nonne schiebt einen Kinderwagen durch den Garten. Fragt sie der Bischof: „Na, ein kleines Klostergeheimnis?“ Antwortet die Nonne prompt: „Nein, ein Kardinalfehler!“

Machen, wie in jüngster Zeit, Memes und Witze wie diese ihre Runde durch die sozialen Medien, lässt sich das als Symptom interpretieren. Zum einen macht man sich hier lustig über eine normalerweise Ehrfurcht heischende Institution samt ihren Amtsund Würdenträgern, und zwar unter humoriger Offenlegung der augenfällig von einer Doppelmoral geprägten Haltung der Kirche zum Zölibat. In den Witzen haben Bischöfe Kinder, obwohl sie sich sexueller Enthaltsamkeit verschrieben haben und eigentlich kinderlos bleiben müssten. Und mehr noch: Sie tun so, als sei nichts dabei. Im zweiten Witz macht der Bischof sogar selbst einen kleinen Scherz, wenn er im Kinderwagen einen Regelbruch wittert und diesen den ihrerseits zölibatär lebenden Nonnen zuschreibt und damit in gewissem Sinne externalisiert – zwar nicht auf eine Einheit jenseits der Kirche, aber doch auf eine Gruppe außerhalb des nach wie vor rein männlichen Klerus.

Aber die zitierten Witze sind noch aus einem anderen Grund symptomatisch. Sie verweisen nämlich auf eine enge Verbindung zwischen Religion, Sexualmoral und Geschlechterordnung – und darauf, dass die spezifisch katholische Ausgestaltung dieser Verbindung selbst für diejenigen, die sie eigentlich vertreten sollten, offenbar kaum lebbar scheint und anscheinend nicht einmal durchgehend ernst genommen wird. Nun sind jene Aspekte der katholischen Verbindung zwischen Religion, Sexualmoral und Geschlechterordnung, die in den Eingangsbeispielen zum Witz geworden sind, keine, von denen man notwendig annehmen müsste, dass sie zu massiven unfreiwilligen Leidenserfahrung derjenigen führen, die Gegenstand und Zielscheibe der genannten Witze sind. Hohe kirchliche Würdenträger haben ihren beruflichen Weg und damit auch das Zölibat gewählt – und zumindest in den Witzen nehmen sie es mit Letzterem nicht einmal genau. Anders sind viele weitere Aspekte der Verbindung zwischen katholischer Religion, Sexualmoral und Geschlechterordnung gelagert: Hier wird durchaus ungewähltes Leid erzeugt, und es leiden in erster Linie Menschen, die gerade nicht am oberen Ende der kirchlichen Machtpyramide stehen oder denen es vergönnt wäre, dorthin vorzustoßen. Beispiele gibt es viele: den massiven sexuellen Missbrauch von Kindern sowie dessen systematische institutionelle Vertuschung und damit Bagatellisierung; das politische Engagement der Kirchen zugunsten von Einschränkungen basaler reproduktiver Frauenrechte, etwa dem Recht auf selbstbestimmte Schwangerschaften und damit auch auf Schwangerschaftsabbrüche; die Verweigerung des Sakraments der Ehe und weitere negative Sanktionen all denjenigen gegenüber, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht heterosexuell begehren und zu leben wünschen, sondern schwul, lesbisch, bisexuell oder anderweitig queer; die Diskriminierung Geschiedener in Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft; und den kategorischen Ausschluss von Frauen von der Priesterweihe und damit von allen wichtigen Kirchenämtern. Diese Sachverhalte und die Leidenserfahrungen, die sie hervorrufen können, sind nicht nur gravierend, sie betreffen zudem wenigstens teilweise Gesellschaftsbereiche, die mit Kirche und Religion eigentlich wenig oder sogar nichts zu tun haben (müssten). Das ist bei den reproduktiven Rechten so, aber auch in all jenen Fällen, in denen die Kirche als moralische Instanz gelten kann, die auch jenseits der eigenen Mauern Einfluss hat – etwa auf den Umgang von Eltern mit ihren queeren Kindern oder auf die beruflichen Beschäftigungsmöglichkeiten im sozialen Sektor. In diesen Zusammenhängen tritt die Kirche – ob gewollt oder ungewollt sei zunächst dahingestellt – als geschlechterpolitischer Akteur auf. Damit handelt es sich um Sachverhalte, in denen die Kirche und ihre geschlechterpolitischen Einsätze für den Feminismus auch jenseits der Theologie relevant sein sollten – und zwar für den politischen wie für den akademischen Feminismus. [...]


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