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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/thq.2018.3.183–199
Ulrich Lüke
Jesu Männlichkeit oder Jesu Menschlichkeit?
Humanwissenschaftliche und theologische Anfragen „an das nur Männern vorbehaltene Priesteramt“
[...]

3. Die genauere Darlegung des Arguments der naturalis similitudo


Wie zahlreiche andere Dokumente verweist auch ‚Inter insigniores‘ darauf, dass „der Bischof oder der Priester bei der Ausübung seines jeweiligen Amtes nicht in eigener Person (in persona propria) handelt, sondern Christus vergegenwärtigt.“ (DH 4599) Die tiefste oder höchste Form der Vergegenwärtigung Christi geschieht nun aber in der Eucharistie. Dabei handelt der Priester nicht nur in der von Christus verliehenen Vollmacht, sondern „in der Person Christi (in persona Christi), indem er seine Stelle einnimmt, so dass er sogar sein Abbild (ipsam eius imaginem) ist, wenn er die Worte der Konsekration ausspricht“. (DH 4599) Das christliche Priesteramt hat sakramentalen Charakter, wobei der Priester selbst das Zeichen ist. Die übernatürliche Wirksamkeit dieses Zeichens stammt aus der empfangenen Weihe. Die Erkennbarkeit hingegen hängt ab von der natürlichen Gegebenheit dieses Zeichens. In diesem Kontext wird dann mit einem Zitat von Thomas von Aquin die Formulierung der natürlichen Ähnlichkeit (naturalis similitudo) eingeführt: „Signa sacramentalia ex naturali similitudine repraesentant.“ Die sakramentalen Zeichen repräsentieren das, was sie bezeichnen, durch ihre natürliche Ähnlichkeit. Diese natürliche Ähnlichkeit, so wird festgehalten, muss sowohl für Dinge wie für Personen gelten. Und damit schließlich erfolgt die Konklusion dieser ratio theologica: Wenn diese Personen „nämlich die Handlungsweise Christi in der Eucharistie sakramental vergegenwärtigen sollen, läge diese natürliche Ähnlichkeit, die zwischen Christus und seinem Diener erfordert wird, nicht vor, wenn (seine) Stelle nicht von einem Mann eingenommen würde; andernfalls würde man in eben diesem Diener schwerlich das Abbild Christi erblicken; denn Christus selbst war und bleibt ein Mann.“ (DH 4600)

Mit anderen Worten: Die natürliche Ähnlichkeit zwischen Christus und seinem Diener beruht auf der Gleichgeschlechtlichkeit beider, auf dem Mannsein Jesu und des ihn repräsentierenden Priesters. Nicht unproblematisch ist die Formulierung: „Christus selbst war und bleibt ein Mann (siquidem Christus ipse fuit et permanet vir).“ Während das „fuit“ unstrittig ist, erscheint es nämlich sehr wohl fraglich, mit welchem Recht und in welchem Sinne von „permanet vir“ gesprochen werden darf. Die Antwort Jesu auf die Sadduzäerfrage (Lk 20,27–40) ist zumindest dazu angetan, Zweifel an derartigen Annahmen aufkommen zu lassen. Mit welchem Recht, mit welcher Argumentation kann die Daseinsweise des erhöhten Herrn einem zwangsläufig ins Biologische zielenden Beschreibungsmodus zugewiesen werden, und zwar derart, dass daraus noch argumentatives Kapital für die exklusive Eingrenzung der Ordination auf die keineswegs erhöhten Vertreter des männliches Geschlechts zu schlagen wäre? Für eine mögliche Unterscheidung von „gender“ und „sex“ geben die hier einschlägigen kirchenamtlichen Texte aus den Jahren 1970 bis 1995 keinerlei Anhaltspunkt. Dieser Frage kann in diesem Kontext allerdings auch nicht weiter nachgegangen werden.

Mit der Festlegung des Zeichens auf das Mannsein zielt die Erklärung der Glaubenskongregation ‚Inter insigniores‘ aber eindeutig einen biologischen Horizont an, indem sie sich auf scheinbar plausible, unmittelbar einleuchtende biologische Evidenzen stützt. Sie setzt sich also selbst durch ihre eigene Formulierung einer biologischen Analysierbarkeit aus, ja fordert sie geradezu heraus. Es kann also, da sie eben diese biologische Messlatte selber wählt, zu ihrer Verteidigung nicht gesagt werden, sie werde in diesen kritischen Überlegungen mit falschem, weil biologischem Maß gemessen. Die Frage wird also lauten: Kann man mit biologischer Berechtigung sagen, dass die postulierte natürliche Ähnlichkeit bei geschlechtsverschiedenen Vergleichspersonen nicht gegeben ist? Oder kann man – schwächer formuliert – sagen, die natürliche Ähnlichkeit ist zwangsläufig dann größer, wenn es sich um gleichgeschlechtliche Vergleichspersonen handelt? [...]


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